Schule des Rades

Hermann Keyserling

Reise durch die Zeit

III. Wandel der Reiche

V. Um das Individuum - Arbeiter

Dieses Grundsätzliche wollte und mußte ich vorausschicken, um von vornherein das richtig einzustellen, was ich auf Grund persönlichen Erlebens über soziale Bewegung und Sozialismus zu sagen haben werde. Von jeher war ich überzeugt, daß jeder Mensch seiner Zeit zugehört, ganz einerlei, ob dies ursprünglich vom Himmel hoch her oder auf Grund der Einwirkung des Zeitgeists auf das ureigenste Wesen oder endlich auf Grund späterer Anpassung an denselben aus Selbsterhaltung, Gemeinschaftsbedürfnis, Originalitätsmangel, Schwäche, Feigheit, Gewinnsucht oder Ehrgeiz geschieht. Diese Zugehörigkeit hat ihrerseits zwei Grundformen: die eine ist die gleichgeschaltete, die andere die kontrapunktische. Letztere wiederum kann zwiefach ausgerichtet sein: Überlebtes festhaltend und insofern oppositionell oder vorauseilend. Ich war und bin zum Zeitgeist nach beiden Richtungen hin kontrapunktisch eingestellt. In einen eigentlich noch mittelalterlichen Zustand hineingeboren, das Sein selbstverständlich über das Können stellend, sozusagen von meiner Physiologie her hierarchisch gesinnt, kann ich die soziale Frage von meinem Unbewußten her überhaupt nicht aufwerfen. Ebenso kann ich das ökonomische Problem nicht letztlich ernst nehmen, weil ich in einen Zustand ursprünglicher Sicherheit hineingestellt worden bin und mein Unbewußtes darum trotz aller Schicksalsschläge und bitteren Erfahrungen die Unsicherheit des Unter- und Hintergrundlosen nicht wirklich realisieren kann. Mein Selbstverständliches ist nach wie vor die ursprüngliche Geborgenheit und trotz aller Insekurität meiner Existenz reagiert dieses heute noch spontan auf sozial-ökonomische Gefährdung mit dem Abwehr-Gefühl so kann es doch nicht sein und keinesfalls bleiben. Andererseits verkörpere ich aber ebenso ursprünglich, soweit ich überhaupt einer Zeit angehöre, die Zukunft als den Zustand nach dem Ausgetragensein der bei meinen Lebzeiten tobenden Kämpfe, die ich darum nur als lästige Vorläufigkeiten empfinde. Insofern bin ich sehr viel unzeitgemäßer als es Nietzsche war und eigentlich auch revolutionärer, da die in mir verkörperte Spannung — man gedenke hier des in Verhärtete und Verjüngte1 Ausgeführten — eine viel größere ist. Daß dem so ist, erweist heute schon mein ganzes äußeres Schicksal. Erfolg habe ich bisher (dieses schreibe ich im November 1944) nur dank günstigem Mißverstehen oder auf von meinem Standpunkt relativ Unwichtiges hin gehabt. Schon gleich nach Erscheinen des Reisetagebuchs sagte mir ein kluger Amerikaner: Wenn die Leutchen verstünden, wie Sie es eigentlich meinen, sie würden Sie kreuzigen. Weil sehr viele es eben doch ahnten, so wenig sie verstanden, haben die Versuche, mich so oder anders zu erledigen, nie aufgehört.

Doch nun zur durch die vorhergehenden Betrachtungen von weit her vorbereiteten Sache. Meiner gereiften Überzeugung nach liegt der tiefste Beweggrund der sozialen Bewegungen dieser Zeit, die ihre Erfüllung in einer sozialistischen Ordnung irgendwelcher Art suchen und finden, weder im Siegeswillen der Arbeiterklasse noch im Aufstehen der Massen noch im Streben nach größerer ökonomischer Sicherung für jedermann noch im gesteigerten Sinn für Billigkeit im Gegensatze zur Gerechtigkeit2, noch im Ressentiment der Schlechtweggekommenen — bei allen diesen Kausalreihen und anderen mehr handelt es sich um verschiedene Verkörperungen einer gleichen Grundtendenz —, sondern in einer allgemeinen Reaktion gegen die im Prozeß der wachsenden Be-Geistung des fortschrittlichen Teils der Menschheit erfolgte Individualisierung und Persönlichkeit-Werdung, die für die träge Gana viel zu geschwind verlaufen ist. Daher der Rückschlag zu Bindungen innerer und äußerer Art, gegen welche Europa seit dem XIII. Jahrhundert ununterbrochen angekämpft hat. Daß es sich um ein viel Allgemeineres und Tieferwurzelndes handelt, als den sogenannten Aufstand der Massen, wird dadurch allein erwiesen, daß die meisten jüngeren Vertreter der bisherigen Oberschichten die soziale Bewegung aus persönlicher Überzeugung mitmachen. Gerade bei ihnen, die durch zu langes ungefährdetes Leben auf relativer Höhe entweder entvitalisiert sind oder deren Abenteuerlust und Sehnsucht nach einem eigenen Leben durch mangelnde Betätigungsmöglichkeit ausgehungert ist, sitzt besagter Trieb besonders tief; hier geht er oft so weit, daß er dem Bewußtsein nahelegt, unbedenklich das eigene Grab zu graben, was man zumal in Rußland sah, wo die Entwicklung des bewußten Teils der Seele bei den Oberschichten derjenigen des Unbewußten, das bei allen Russen sehr ähnlich geartet ist, am weitesten vorausgeeilt war. Während in früh demokratisierten und andererseits wenig intellektualisierten Ländern, wie den von Angelsachsen bewohnten, die soziale Bewegung auch innerhalb der untersten Schichten über ein geringeres Potential verfügt oder wenigstens bis 1944 verfügt hat. Da nun einmal das einmalige und einzige Selbst die real letzte Instanz des individualisierten und begeisteten Menschen ist, so bedeutet es völlig eindeutig Kampf gegen das Individuum, wenn irgendwo das Gemeinschaftsideal ehrlich über das persönlicher Entfaltung gestellt wird. Zwischen Geist und Gana besteht immerdar ein Spannungsverhältnis, welches mit steigender Begeistung wächst. Darum ist es nur natürlich, wenn die Gana an kritischen Punkten gegen den Geist revoltiert und daß sich die Menschen erlöst fühlen, wenn sie vom Kollektivum her denken dürfen. Hierzu bietet Amerika das klassische Schulbeispiel. Jahrhundertelang waren dessen Besiedeler die individualisiertesten Europäer; dem trägt die amerikanische Verfassung und Weltanschauung noch heute Rechnung. Aber seither haben sich die Amerikaner immer mehr entgeistet und so herrscht dort heute von ortsgemäßen Voraussetzungen her de facto ein kaum geringerer Kollektivismus, als in Sowjetrußland. Erst nachdem man die hier festgestellten Grundtatsachen verstanden und gewürdigt hat, kann man die sonstigen Faktoren und Motive der sozialen und sozialistischen Bewegung richtig einstellen und -schätzen. Wie in Besitzende und Besitzlose ausführlich begründet wurde, bejaht jeder Mensch ursprünglich sein Horoskop, bleibt ihm das Angeborene zeitlebens Grundvoraussetzung. Darum gibt es gar kein ursprüngliches Streben nach Verbesserung des Allgemeinzustands. In der ganzen Geschichte ist dieses auch allemal von denkenden Vertretern der Oberschichten geweckt worden.

Die Formen nun, in denen sich das einmal geweckte Streben schließlich verkörpert, entsprechen immer dem Zustand der jeweiligen Gana. Diese ist träge und liebt darum die Vergewaltigung. So schränkte schon der Sieg des dritten Standes die innere Freiheit ein, indem sie einerseits das Supremat der religiösen Beziehung, welche immer nur zwischen dem freien und darum sündigen-könnenden Selbst und Gott bestehen kann, und andererseits das Souveränitätsgefühl des vom Geist des Adels bestimmten Menschen zum besten von Sachlichkeiten bekämpfte und unterdrückte; nur die sehr spezialisierten Initiativen, deren der Kaufmann und der Gelehrte bedürfen, ließ der Bürger gelten. Die Gana des vierten Standes nun kennt überhaupt keinen Wunsch nach Selbstbestimmung. Darum mußte dessen Freiheitsstreben in eine neue Zwangsordnung einmünden. Man bilde sich doch nicht ein, daß das Sowjetsystem sich so lange hätte halten können, wenn eine große Mehrheit der Russen dieses Extrem eines Obrigkeitsstaates nicht zutiefst bejaht hätte. Selbstverständlich ist der heutige planetarische Zustand durch die hier gegebene Motivierung nicht erschöpfend erklärt: alle nur möglichen Kausalreihen haben dabei mitgewirkt, unter anderen auch die von Nationalökonomen und Soziologen allein anerkannten. Ein wichtiger Beweggrund war und ist auch das besondere Verehrungsbedürfnis der in sozialer Niederung Geborenen, das sich im Bilde der früheren Oberschichten nicht mehr ausleben konnte, der Wunsch zu glauben anstatt zu denken, mit sich geschehen zu lassen, anstatt aus eigener Initiative zu handeln. Aber das Grundmotiv ist und bleibt die Reaktion gegen die Individualisierung. Letztlich fällt diese natürlich vom Standpunkt der individuellen Seele mit jener Revolte der Erdkräfte zusammen, die ich in der Révolution Mondiale ausführlich behandelt habe. Wer des Durchschauens und der Zusammenschau fähig ist, wird durch Meditation des vorhin noch so knapp Ausgeführten zu einem tieferen Verständnis dieser Zeit gelangen, als durch jeden kausalen und finalen Gedankengang. Leider sind freilich noch recht wenige des Durchschauens und der Zusammenschau fähig. Eben darum muß die Entwicklung so viele blutgetränkte und leidensgesättigte Umwege machen.

Doch nun, dem besonderen Stile dieses Buches gemäß, zunächst zu Persönlichem. In meiner Kindheit und Jugend fehlte mir selbstverständlich jedes Verständnis für die Fragestellungen des Sozialismus. Wir Balten waren noch extremere Individualisten als die Angelsachsen; wie stark unser Geist gerade in dieser Hinsicht ausgeprägt war, bewies in den Jahrzehnten ihrer Selbständigkeit der nicht geringere, sondern womöglich noch größere Individualismus der Esten und Letten. Denn deren Eigenart haben letztlich wir geprägt; aller Einfluß geht von oben nach unten zu und scheint das einmal anders, so liegt das daran, daß diejenigen, welche der also Urteilende unter sich sieht, sich der Macht ihres Einflusses nach schon oben befinden, wie lange schon der Mann auf der Straße in Nordamerika und neuerdings in vielen Ländern Europas der Massenmensch. Zu diesem Allgemeinen meiner angestammten Art trat bei mir meine Abneigung gegen jedes Vorherrschen sachlicher Erwägungen. Von vornherein lag mir ausschließlich an Entfaltung des persönlichen Lebens, bei anderen wie bei mir, und darum kaum mehr an objektiver Zustandsbesserung, als einem Inder traditioneller Lebensform. Nichts entsprach mir — und entspricht meiner Gesinnung heute noch — besser als der Geist, welcher der folgenden Episode der englischen Geschichte aus dem XIX. Jahrhundert zu Grunde lag. Es nahmen in London die Morde einmal so sehr überhand, daß die Regierung in Vorschlag brachte, den Polizeiapparat zu vergrößern und ihm größere Vollmachten zu erteilen. Das Parlament jedoch lehnte diese Vorlage, wenn ich mich recht erinnere, einstimmig ab: die größere Sicherheit, welche dadurch zu erreichen sei, würde durch die erhöhte Einmischungsmöglichkeit der Polizei viel zu teuer erkauft. Bei mir setzten, gleich wie bei den romanischen Völkern, beim Erleben behördlicher Bevormundung reflexmäßig anarchische Regungen ein. Gewalt konnte ich als Naturtatsache, mit welcher man rechnen muß, anerkennen, nie jedoch die Pflicht zum Gehorsam als letzte Instanz. Genau so konnte ich besiegt-Sein ohne weiteres anerkennen, mir bedeutete es nichts anderes als das normale Korrelat des Siegens; jenes wirkte auf mich primär als Ansporn, neu anzufangen. Ganz unmöglich aber konnte ich mich durch freien Entschluß meiner Freiheit und Selbstbestimmung berauben und niemals geltendes Recht — wo Recht im Unterschied von Gerechtigkeit nie mehr ist noch sein kann, als fixierte Machtentscheidung — als ein Oberhalb meines freien Willens anerkennen. Bei solcher Anlage konnte sich ursprünglicher Sinn für Weltverbesserung von außen her unmöglich manifestieren. Zum ersten Male bannte die soziale Frage meine Aufmerksamkeit, als ich als Heidelberger Student Werner Sombarts soeben erschienenes kleines Buch über Sozialismus und soziale Bewegung las. Dieses fesselte mich, jedoch es blieb bei rein intellektuellem Interesse, das sich in keinerlei Wollen umsetzte. Letzteres geschah gerade in diesen Jahren bei meiner Mutter im höchsten Grad, doch bei meiner äußerst gespannten Beziehung zu dieser konnte ihr Beispiel nur abstoßend auf mich wirken; ja bis zu einem gewissen Grade sind soziale Reformen für mein Unbewußtes heute noch mit dem Verrat an meinem Vater assoziiert. Persönlich nahe brachte mir die soziale Frage erst Gustave Le Bon, mit welchem ich seit 1906 bei jedem Besuche von Paris zusammentraf, weil dieser mir ihren psychologischen Aspekt offenbarte. Persönliche Anziehung übte Le Bon auf mich allerdings nicht aus. Allzusehr fehlte ihm alle gallische Grazie und Feinheit, was schon in seinem beinahe unerreicht abscheulichen Französisch zum Ausdruck kam; im Grunde war er als Mensch das, was man im damaligen Frankreich un muffle hieß und überdies ein karikierter Tartarin de Tarascon, nur ohne dessen Liebenswürdigkeit und mit einem gehörigen Schuß bewußter plumper Charlatanerie. Aber sein erstes Buch über den Sozialismus war das tiefst verstehende, das vor langen Jahrzehnten nach dessen Veröffentlichung erschien, seine Psychologie der Massen in ihrer Art gar ein Meisterwerk: seinen Kommentaren und Ergänzungen zu diesen Büchern lauschte ich gern. Sozial gesinnt war Gustave Le Bon keineswegs, er war nähriger französischer bourgeois und zwar petit bourgeois durch und durch. Seine Seele war die eines kleinlichen Rentners und er schrieb seine ein bis zwei Bücher im Jahr, welche fortlaufend mehr bloße Wiederholungen enthielten, bis daß er schließlich über neunzigjährig starb, von seinen intimen Regungen her beurteilt, aus keinem anderen Grund, als weil ihm seine Tantiemen eine Rente bedeuteten. Er wollte andauernd glänzen, aber ähnlich wie Schopenhauer blieb er nach seinen Jugend- und frühen Mannesjahren eigentümlich einfallsarm. So ähnelte er ein klein wenig den Medien, die ihren intermettierend wirkenden Fähigkeiten nachhelfen. Bei ihm störte auch ein ausgesprochenes Minderwertigkeitsgefühl, das sich unter anderem darin äußerte, daß er beinahe jedem Brief eine panegyrische, nach bestellter Arbeit aussehende Besprechung eines seiner Bücher beilegte. Seinem bürgerlichen Berufe nach war Gustave Le Bon receveur des contributions indirectes — diese seine Stellung allein war auf dem Schilde seiner Haustür in der rue Vignon 9 angegeben; seine Zimmereinrichtung war eine Mischung von Provinzstadt-Schaubude und Antiquariat. Aber da dieser seltsame, aus dem Rahmen des hochkultivierten französischen Literatentums so ganz herausfallende Mann außerordentlich klug, als Kollektivpsychologe tief, von echtem Forscherblick (er zuerst ist ohne richtige Apparatur auf die Schliche des Radiums gekommen, auf welche er dann freilich eine recht zweifelhafte Theorie der Evolution der Materie gründete) und von den weiten Reisen seiner Jugend her wie damals wenige welterfahren war, so suchte ich ihn immer wieder auf. Und von ihm, dem Psychologen und Naturforscher her, fand ich dann persönlichen Zugang zu den Problemen der Weltrevolution, welche er übrigens schon zu Anfang dieses Jahrhunderts als unvermeidlich kommen sah, sogar im Zusammenhang mit einer Welt-Auseinandersetzung mit Deutschland, an welche dazumal kein anderer nicht-Politiker dachte. Dabei erkannte ich denn als erstes, wenn damals auch nur dunkel, denn diese Problematik ging mich in jener Lebensphase überhaupt nicht an, daß das ökonomische beim Aufstand der Massen nur eine programmatische und durchaus keine große reale Rolle spielte. Damals keimten in mir die Einsichten über den Primat des Selbstverständlichen, die ich schließlich im Kapitel Besitzende und Besitzlose dieses Buches niedergelegt habe. Aus meiner persönlichen Erfahrung mit unterdrückten Völkern und Schichten ersah ich auch damals schon, was ich später in Simmels außerordentlicher Philosophie des Geldes genau begründet fand, daß sich die soziale Frage vom Standpunkt der Unterdrückten dort am wenigsten stellt, wo die sozialen Abstände die größten sind. Zum Freiheitsstreben der Mehrheiten stand ich von Hause aus skeptisch. Solange das Freiheitsproblem im Sinn der Freiheit wovon gestellt ist, handelt es sich gar nicht um Freiheit, auch nicht um Unabhängigkeit, sondern einfach um Entledigt- oder nicht-Vorhandensein von dem, was sie aus irgendeinem meist vollkommen irrationalen Grund nicht mögen. Die Frage der Freiheit beginnt sich erst dort zu stellen, wo es sich nicht um Freiheit wovon sondern um Freiheit wozu handelt, was ein überwiegen geistiger Motive in der Psyche voraussetzt, wie solches heute noch nur ausnahmsweise der Fall ist. Weil dem so ist, darum haben sich Völker und Individuen unter den verschiedensten Regimes als frei empfunden. So bedeutete Freiheit den Römern noch zu Ciceros Zeit Freiheit von Königen — Caesar wurde ermordet, weil Brutus und Genossen ihn, wohl mit Recht, im Verdacht hatten, König werden zu wollen. Die meisten Völker der Erde fühlen sich frei, wenn sie ihren eigenen und keinen fremden Gesetzen unterworfen sind; Gesetz- oder wenigstens Konventionslos will keines leben. Für die Auswanderer nach Nordamerika bedeutete Freiheit das Fehlen autoritärer Regierung, und weil diese in den Vereinigten Staaten in Worten nach wie vor besteht, fühlen sich die Amerikaner auch heute frei, obgleich der Druck der öffentlichen Meinung zusammen mit dem der Finanz dort de facto geringere Freiheit gewährleistet, als solche vielfach von aufgeklärten Despoten ihren Untertanen zugebilligt wurde. In Rußland hatte ich’s 1905, während der ersten russischen Revolution und deren Nachwehen persönlich erlebt, daß die Massen zutiefst nur Zuchtlosigkeit anstrebten, was dann ab 1917 unabwendbar zu einer härteren Despotie geführt hat, als sie unter den Zaren je geherrscht hat. Gustave Le Bon nun lehrte mich, den begeisterten Bejaher aller Ungleichheit und Verabscheuer jeglicher Normierung, einsehen, daß von der überwältigenden Mehrheit aller Menschen das Gegenteil gilt: sie wollen Gleichheit und zwar Gleichheit um jeden Preis, und ihr Wollen wird zutiefst nicht von geistigen Erwägungen, sondern von psychischer Ansteckung alias Suggestion bestimmt. So lange noch der Geist der selbstsicheren alten Oberschichten den Ton angab, wie lange noch nach der französischen Revolution, aus welcher der dritte, damals gebildeteste und Initiative-reichste Stand vorherrschend hervorging, wurde unter Gleichheit in erster Linie Gleichheit der Chancen verstanden — bei gleichem Start sollte doch jeder für sich das Risiko tragen. Mit dem Aufsteigen des vierten Standes verwandelte sich das Ideal der Gleichheit der Chancen in dasjenige der gleichen Sicherung für jedermann; den Übergang zu diesem Grundgedanken des Sozialismus verkörperte und schuf nur scheinbar paradoxalerweise das französische Kleinbürgertum, dessen Zustand für eigentlich alle Sozialdemokraten, die ich gekannt habe, das freilich meist uneingestandene Ideal blieb. Sobald das Ideal nun in der Abnahme jedes Risikos durch Andere bestand, fand in den Seelen von dessen Anerkennern, zumal innerhalb der Arbeiterschaft, eine Regression zu dem psychologischen Zustand statt, welcher die Unterschichten der Feudalzeit gekennzeichnet hatte. (Letztere Einsicht gewann ich übrigens viel später erst, zu Beginn der zwanziger Jahre, dank Gesprächen mit Hendrik de Man, welcher damals in Eberstadt bei Darmstadt wohnte und allwöchentlich im Rahmen der Schule der Weisheit zu mir kam.) Oder genauer: die Psychologie der Unterschichten offenbarte sich als die, welche den fixierten Ganabindungen des vorhergehenden halben Jahrtausends entsprach. Die Gana ist unendlich träge. Die Massen waren es von ihren Wunschbildern her gewohnt — und jeder Unterdrückte lebt mehr von solchen her, als aus Wirklichkeitsbewußtsein, sonst hielte er es nicht aus; daher der unausrottbare Glaube an eine bessere Zukunft, dessen Prototyp der Jenseitsglaube ist — von guten Herren betreut zu werden; die bösen bestätigten für sie die Regel. Kaum wurde ihre Mentalität bestimmend, da mußten sie vom Staat oder sonstiger Gemeinschaft Ähnliches erwarten, wie früher vom Gutsherrn oder im Falle alter Völker gar vom Sklavenhalter, der ja auch typischerweise aus wohlverstandenem Interesse für seine Arbeitskräfte besser sorgte, als in den ersten Jahrzehnten nach der industriellen Revolution vom Unternehmer gegenüber dem freien Arbeiter geschah. Allgemach steckte das spezifische Ethos des Arbeiters vom Unbewußten her alle Schichten an, sodaß zur Zeit, da ich dieses schreibe, alle Berufstypen den Akzent auf ihr Arbeitertum legen. Sobald letzteres überhaupt geschieht, ist die Entwicklung innerer Überlegenheit unmöglich geworden. Irgendwie arbeiten muß ganz selbstverständlich jeder, wenn er leben will, genau wie das Herz unaufhörlich schlagen muß. Aber wer sein Leben und dessen Wert nach der Leistung des schlagenden Herzens beurteilt, kann höheren Zielsetzungen nicht mehr gerecht werden. Ich glaube nicht, daß gegen diesen Gedankengang und dessen Schlußfolgerungen das geringste einzuwenden ist, sobald man überhaupt vom inneren Menschen und dessen Wert und Rang und nicht von der Leistung ausgeht, die immer nur ein Äußeres sein kann. Alle Arbeit aber ist als solche mechanische Arbeit und darum innerlich bedeutungslos, weswegen allein es richtig ist, jede als gleich ehrenvoll anzuerkennen. In Wahrheit hat keine mit Ehre das geringste zu tun, sie ist eine physiologische Notwendigkeit. Freilich hat die Hochstellung der Arbeit als solcher auch einen anderen Aspekt, aber gerade diesen meint das moderne Arbeitsethos nicht. Bekanntlich haben alle Religions- und Ordensstifter handwerkliche Betätigung befürwortet, wenn nicht gefordert. Das war aber nicht, weil Arbeit irgendwie adelte — jede Arbeit als solche ist ohne Ausnahme mechanisch3 —, sondern weil erstens vom Ideal spiritueller Vollendung her jede Betätigung jeder anderen wert ist, und weil zweitens Ausleben der physischen Energien in Hand-Werk den Geist befreit; dessen Betätigung liegt auf ganz anderer Ebene, als jede mögliche Beschäftigung; eben darum konnte man sich lange solche nur in Form reiner Kontemplation vorstellen. Es befriedigt Handarbeit das Beschäftigungsbedürfnis des Menschentiers, welches sich sonst leicht auf geistiger Ebene auszuleben versucht, was immer Unheil ergibt, auf sinngemäße Weise. Und dieses in unvergleichlich höherem Grade als der Ersatz derselben, welchen man Sport heißt. Eben diesen Wahrheiten bin ich zur Zeit, da ich dieses schreibe, wo ich in allerengstem Raume wohnend, ohne Hilfe die meiste mechanische Arbeit leisten muß, die zum Neuaufbau der Schule der Weisheit erforderlich ist nach der Zerstörung Darmstadts, an mir selber inne geworden. Mein Geist erholt sich dabei.

Natürlich hängt die beschriebene Verlagerung der Ideale auch damit zusammen, daß seit der industriellen Revolution so viel mehr Menschen in Europa und Amerika leben, als jemals früher der Fall war, daß die Allermeisten Erbträger der Unterschichten-Gana sein müssen, was dann vom Unbewußten her auf die plastischen Kinderseelen der Oberschichten hinüberwirkt. Genau so erfolgte die Christianisierung der von Hause aus extrem aristokratischen Römerwelt, genau so in unseren Tagen die Infiltrierung der Seele der amerikanischen Neger in die ihrer weißen Heimatgenossen. Meine Gana nun ist als die eines Herren fixiert. In meiner Kindheit und Jugend bin ich nie Einflüssen ausgesetzt gewesen, die meinen Typus hätten bastardieren können. So Geistzentriert ich von Hause aus war, nie kam ich als geborener Herr darauf, mich durch bloß intellektuelle oder utilitarische Erwägungen beirren zu lassen. So konnte ich nicht nur zur Zeit meines häufigen Verkehrs mit Gustave Le Bon, sondern auch später, als sie mein praktisches Leben sehr sehr nahe berührte, die soziale Frage niemals wirklich ernst nehmen. Ich konnte in Ruin, Machtverlagerung und tatsächlich besserer Lebensordnung nur verschiedene Gelegenheiten sehen, die sich dem souveränen Geiste bieten, um sich zu behaupten und zu entfalten. Da ich von ursprünglichem Ranggefühl ausging, hatte ich grundsätzlich nicht das geringste gegen Machtverschiebungen, sofern die Sieger im sozialen Kampf die besseren waren. Standesdünkel kannte ich nie. Sobald ein Edelmann sich überhaupt als Vertreter einer exklusiven Kaste fühlt, ist er in meinen Augen kein Edelmann mehr: diesen Ehrentitel verdient nur der Mensch, dessen Vorrechte einer höherentwickelten Seele entsprechen und welchem eben darum alle Menschen als bloße Menschen als gleichwertig gelten. Insofern sympathisierte ich auch mit dem Sozialismus, welchen meine Schwester Leonie von Ungern-Sternberg in ihrer Broschüre Der Sinn des Sozialismus vertrat, gemäß welchem Sozialismus dem unqualifizierten Menschen als Menschen gleiche Rechte zuerkannt werden. Aber diesem Ideal möglichen Sozialismus’ hat kein praktisch versuchter oder verwirklichter auch nur nachgestrebt; vielmehr wurde gerade von ihm der lebendige Mensch zum besten der Klasse oder der Leistung weniger berücksichtigt als je innerhalb einer aristokratischen und sogar bürgerlichen Ordnung geschah und geschieht. Das konnte gar nicht anders kommen, weil jeder Mensch wesentlich einzig und unvergleichlich ist und die Mentalität der Unterschichten in erster Linie Gleichheit fordert. Diese aber kann nur auf Unpersönliches hin erzielt werden, wie die Arbeitsleistung, die Verpflichtung dem Staate gegenüber und vor allem das Geld, aus welcher Erwägung heraus allein schon erklärlich ist, wie dasselbe Gleichheitsstreben einem dem Reichtum (Amerika) oder der Armut (Rußland) zugeordneten Zustand zuführen kann. Ich gebrauche das Zeitwort zuordnen, weil gemäß der christlichen Lehre die Natur Gott zugeordnet ist und aus der Gleichheit des angewandten Verbums der Richtungsunterschied zwischen einer spirituell und einer materiell orientierten Welt besonders gut einleuchtet. Von hier aus ersieht man auch, inwiefern jede aristokratische Ordnung dem Wesen des Menschen besser entspricht, als eine vom Gleichheitsgedanken inspirierte; schon die untermenschliche Natur ist aristokratisch. Freilich soll es allen möglichst gut gehen und dies gewährleistet Gleichheit der Rechte in allen elementaren Zusammenhängen. Für diese Art Gleichheit hätte ich selber sicher gestritten, wenn ich in das frühere Revolutionszeitalter Europas hineingeboren worden wäre; im heutigen handelt es sich um ganz anderes. Aber in einer richtig gegliederten Gemeinschaft hat über dem Recht das Vor-Recht zu stehen als Ausdruck anerkannter höherer Qualität. Im Sinne der Gleichheit in bezug auf das Elementare oder Anfängliche habe ich mich sogar in meiner ersten metapolitischen Kundgebung nach meiner Übersiedlung aus Rußland nach Deutschland einen Sozialisten geheißen; in diesem Aufsatz des Jahres 1918, der in Politik, Wirtschaft, Weisheit wieder abgedruckt ward, handelte ich vom Sozialismus als allgemeiner Lebensbasis, der insofern von jedem Klassen- und Parteigedanken dissoziiert werden müsse; ich bejahte den Sozialismus überhaupt, insofern dank ihm allein ein großer Teil des für alle Lebensnotwendigen aus dem Konkurrenzkampf im Geist des ôtes-toi que je m’y mette herausgerissen werden kann. Nicht nur die mittelalterlich-aristokratische, auch die liberal-bürgerliche Ordnung ist heute ja unhaltbar geworden, wo jedermann zählen will und dem Empfinden aller Gerechtgesinnten nach auch soll. Die Fanatiker des Liberalismus vergessen nämlich zumeist, daß nach dem Siege des dritten Standes durchaus nicht alle, sondern nur die Notabeln zählten. Von dieser Einsicht aus konnte ich auch die Zwangsmaßnahmen bejahen, die unerläßlich waren oder sind, um den früheren Zustand in einen dem heutigen Gerechtigkeits-Empfinden entsprechenden überzuführen. Schon im Reisetagebuche, also mit einunddreißig Jahren, schrieb ich, alles Sozialisierbare solle getrost sozialisiert werden; unter sozialisierbar verstand ich alles das, was einigermaßen der Eisenbahn und der Post vergleichbar ist.

Aber da es für mich schlechterdings nichts höheres gibt, als die souveräne Persönlichkeit und die freie Initiative, so konnte ich in einer erstrebten sozialistischen Ordnung eben nur eine neue unter den gegebenen Umständen unvermeidliche Basis sehen und die eigentliche Aufgabe weiteren Fortschritts darin, auf dieser neuen Basis die Persönlichkeit zu freierer und größerer Entfaltung zu bringen als solche früher möglich war. Letzterer Aufgabe war von vornherein alles menschenbildnerische Wirken der Schule der Weisheit gewidmet; nie stand ich im Gegensatz zu den sozialen und sozialistischen Bestrebungen dieser Zeit, wenn ich auch andererseits nie an ihnen aktiv teilnahm. Ich nahm sie hin, wie jeder Geist die Natur hinzunehmen hat, ob sie nun jeweils menschenfreundlich oder -feindlich ist, ob es regnet oder ob die Sonne scheint. Aber letztlich konnte ich, wie gesagt, die soziale und ökonomische Frage niemals ernst nehmen. Letztlich mußte ich die Unvermeidlichkeit der sozialen Kämpfe dieser Zeit bedauern, da ihr letzter Sinn, der Anfangsthese dieses Abschnitts entsprechend, ein Kampf gegen das Individuum ist und nur das Individuum Werteträger sein kann.

1Eins der Kapitel, die im folgenden Band gedruckt werden.
[Anmerkung des Keyserling-Archivs]
2Vgl. das Kapitel Gerechtigkeit und Billigkeit im zweiten Standardwerk der Schule der Weisheit Wiedergeburt.
3
Ich drucke als Ergänzung des Gesagten meinen Aufsatz Mechanische Arbeit im Weg zur Vollendung 1945 ab, den ich ungefähr gleichzeitig mit diesem Kapitel im Jahre 1944 schrieb:
Die letzten Monate gehören zu den lehrreichsten meines Lebens. Primitiv habe ich häufig gelebt; in meiner Kindheit kannte ich keinen modernen Komfort, als Geologe und Reisender habe ich oft wie ein Robinson kampiert: insofern empfinde ich meine Auracher Existenz als Rückbeschwörung meiner Jugend. Doch nachdem ich durch den Terrorangriff auf Darmstadt — nach schon vielen materiellen Katastrophen! — mein letztes Hab und Gut verloren hatte und zugleich, wie meine Leser später im Kapitel Besitzende und Besitzlose der Reise durch die Zeit sehen werden, zum ersten Mal des Sinnes von Eigenheim und Eigentum bewußt geworden war, wodurch ich nachträglich als bitteres Leid erlebte, was ich seinerzeit kaum bemerkt hatte, fühlte ich mich seelisch wie eine Synthese von Adam, Hiob und Diogenes oder vielmehr Super-Diogenes, denn jener hatte immerhin eine Tonne für sich allein, während ich zusammen mit meiner Frau über beinahe ebensowenig Raum verfügte, denn nachdem in Darmstadt alles hin war, türmten sich in unserem einen Kämmerlein Tag für Tag Papiere und Pakete. Hinzu kam — und darauf will ich hier hinaus — die Notwendigkeit rein-mechanischer Arbeit in einem von mir früher nie für möglich gehaltenen Ausmaß. Als Mädchen für alles der Gesellschaft für Freie Philosophie mußte ich in den meisten Fällen allein nicht nur alle geistige, sondern auch alle mechanische Wiederaufbau-Arbeit leisten, kurz alles das, was in normalen Zeiten mehrere Sekretäre und Laufburschen voll beschäftigt hätte.
Selbstverständlich tat (und tue) ich das alles gern. Von jeher ist für meine Begriffe jede Arbeit als solche jeder anderen wert; hier sehe ich keinen Unterschied zwischen der eines Ministers und eines Straßenkehrers. Nicht weil alle Arbeit gleich ehrenvoll wäre, sondern weil alle gleich subaltern ist. Sie muß aber geleistet werden, gleich wie das Herz schlagen muß, wenn der Mensch leben soll, und damit basta. Ich habe nun von Natur keinerlei Neigung für irgendwelche handwerkliche Betätigung und bin für alles Mechanische ausgesprochen unbegabt; darum habe ich auch niemals Freude am handwerklichen Teil meines Schaffens gehabt. Wie ich nun monatelang weit über das als tragbar geltende Maß hinaus mechanische Arbeit zu leisten hatte — auch Hausmädchenbetätigung kam hinzu, weil ohne die mir so unkongeniale Ordnung in unserem winzigen Zimmer jede mögliche Übersicht verloren gegangen wäre — erlebte ich für mich völlig Neues: die mechanische Betätigung hemmte und ermüdete meinen Geist nicht, sie befreite und erholte ihn. So daß ich gerade in dieser Zeit neben aller Arbeit mehrere besonders geglückte Kapitel der Reise durch die Zeit schaffen konnte.
Da begriff ich, warum alle Religions- und zumal Ordensstifter mechanische Arbeit befürwortet wenn nicht befohlen haben. Alles, was mit Beschäftigung zusammenhängt, gehört der Sphäre des Menschentieres an. Geistiges Schaffen liegt auf einer ganz anderen Ebene, jenseits der bloßen Beschäftigungsmöglichkeit. Aber das außer in inspirierten Zuständen in Jedem übermächtige Menschentier will beschäftigt sein und sucht im Falle erheblicher Begeistung diesen Drang auf geistiger Ebene auszuleben. Das aber verführt zu einer Verfälschung des Geistigen. Geistiges Schauen, Schaffen und Streben darf primär weder der Beschäftigung dienen noch dem Broterwerb. Darum gibt es für den Geist nichts Günstigeres, als wenn sich das Beschäftigungsbedürfnis auf ungeistiger Ebene auslebt. Der besser gestellte Mensch unserer Tage tut dies im Sport — gerade die moderne Sportsucht beweist die Notwendigkeit der Arbeit für das Menschentier; jene tarnt sich hier bloß als Spiel. Doch wie Alexis Carrel in seinem wundersamen Buch Der Mensch, das unbekannte Wesen (von dem ich besonders hoffe, daß es unserer Bibliothek bald wieder gestiftet werden wird) nachgewiesen hat, ist Sport nützlicher Arbeit in keiner Weise gleichwertig. Schrubben und Scheuern steht hoch über jedem Körpertraining. Da der Mensch unter allen Umständen geistbestimmt ist, muß Arbeit sinnvoll sein, damit sie seine wahren Bedürfnisse befriedige. — So erklärt es sich, daß ich die Zeit übertriebener mechanischer Beschäftigtheit als Geist-fördernd empfunden habe und empfinde. Hier liegt die tiefste Rechtfertigung jedes äußeren Berufs, des angesehensten wie des mißachtetsten, denn die Ausübung schlechthin jedes besteht zu weit über fünfzig Prozent in rein-mechanischer Arbeit.
Hermann Keyserling
Reise durch die Zeit · 1948
III. Wandel der Reiche
© 1998- Schule des Rades
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