Schule des Rades

Hermann Keyserling

Reise durch die Zeit

II. Abenteuer der Seele

VIII. Besitzende und Besitzlose - Sein und Haben

Doch der Wille zum Besitz hat einen noch tieferen Grund und Sinn, als den bisher aufgezeigten. Schon des öfteren wies ich auf Hans Driesch’s einem Kolumbusei vergleichbare Erkenntnis hin — deren Bedeutung seine Fachgenossen selbstverständlich gar nicht gewürdigt haben — die Urtatsache des Bewußtseins bestehe nicht im Erleben eines Seins, sondern eines Habens1. Dem ist so, muß so sein, weil die Vorstellung außerhalb des Menschen vor ihm steht, weil er nur Vorgestelltes vom Geiste her erleben kann und weil dieses Erleben des außer-Sich als eines Eigenen seinerseits nur in Form eines Habens vorstellbar ist. Dies gilt sogar von eines Menschen ureigenstem Sein. Erst wer sich selbst besitzt, ist in bezug auf sich wie auf andere persönlich wirkende Persönlichkeit — vorher wird er äußerlich von Unpersönlichem getrieben, fühlt er sich innerlich unsicher; daher die mangelnde Ich-Vorstellung bei Kindern und Primitiven. Die innere Sicherheit dessen, der sich selbst besitzt, ist aber genau gleichen Sinnes wie die des Landbesitzers — wer je einen seines Besitzrechts gewissen Großgrundbesitzer oder Bauern sah, weiß, daß es keinen sich gesicherter fühlenden Menschentypus gibt — darum hängt der innerlich ganz Sichere so wenig von Äußerlichem ab. Weil alles Selbstbewußtsein subjektiv auf dem Gefühl des Habens beruht, will jeder unwillkürlich auch den Gegenstand seiner Liebe besitzen; er will es äußerlich tun, weil er ihn kraft seiner Liebe innerlich hat; das Äußerliche soll dem Innerlichen entsprechen in Erfüllung des Korrelationsgesetzes von Sinn und Ausdruck; alles Streben nach juristischer Festlegung des Besitzes beruht in diesem Fall auf der Diskrepanz zwischen innerlich Gewissem und äußerlich Fraglichem. Auch der Eid bedeutet Anerkennung eines Besitzverhältnisses. Ja sogar sein Gotteserleben empfindet der Naive als Besitz; man gedenke des Bibelverses:

Wenn ich nur Dich habe, so frage ich nicht nach Himmel und Erde.

Verzichten-Können oder genauer nicht-Leiden unter nicht-Haben bedeutet in diesem Zusammenhang allerhöchste habens-Sicherheit: der wahrhaft Detachierte, welcher nie der Gleichgültige oder der Feige ist, welcher so tut, als liege ihm an nichts, um ja nicht für etwas kämpfen zu müssen, ist seines innerlichen Besitzes dermaßen gewiß, und dieser Besitz ist für sein Bewußtsein dermaßen groß, daß ihm deswegen an Äußerlichem wenig liegt. Absolute Detachiertheit gibt es nicht, es sei denn als pathologische Isoliertheit; es gibt nur Detachiertheit von Bestimmtem. Lebendig erlebte Religion bedeutet allerhöchste und -tiefste Bindung: Bindung unmittelbar an Gott oder das Weltenall. Gleichsinnig bindet den Mann von Ehre nichts tiefer als sein Wort. Die bloße Möglichkeit des Kredits, auf dem charakteristischerweise gerade das ökonomische Leben viel mehr beruht, als auf dem unmittelbaren Besitz von Geld und Gut, hat hier ihren Urgrund, Kredit aber kommt von credo gleich Glaube.

Weil dem so ist, darum gelten die äußerlich Bedürfnislosen sofern sie keine Verkümmerten, Schwächlinge oder sonst Schlechtweg­gekommenen sind, von jeher als die reichsten; darum wird vom geistlich oder geistig Großen normalerweise Besitzlosigkeit verlangt oder vorausgesetzt; ist ein solcher zufällig einmal als Privatmann reich, so wird das nicht bemerkt. In seinem Falle gilt nicht-Besitzen als Privileg und als Ausdruck der Unbedingtheit, der äußersten Freiheit und damit der letzten Fülle. Als Kind lebt jeder, als Jüngling jeder einigermaßen Geistbestimmte aus seiner inneren Fülle heraus und darum liegt dem gutgeratenen Jungen so wenig an Besitz und Wohlleben; darum läßt er auch sein Leben so viel leichter als der Alte, denn auch sein Leben hat man. Ich konnte noch bis gegen Ende meiner zwanziger Jahre Wohlleben nur als Gast ehrlich genießen, so wie sich einer prunkvoller Bühnenbilder freut, für mein eigenes Leben zog ich ein ärmliches Mansardendasein vor; ja noch 1912 richtete ich mir in Rayküll oben unter dem Dach eine Mansardenwohnung ein und besuchte die schönen großen Räume unten bewußtermaßen nur als mein eigener Gast; als Hausherr fühlte ich meinen Geist durch sie beengt; in einem mit mir gehörigen großen Kunstwerken ausgestatteten Raum könnte ich noch heute nicht arbeiten. Und nicht nur nach der ersten, auch nach der zweiten russischen Revolution, die ich als beinahe-Vierziger erlebte, konnte ich es nicht über mich bringen, mich für den Wiedererwerb des Verlorenen einzusetzen, außer indirekt durch geistiges Schaffen, als dessen Frucht ich materielle Sicherung erwartete. Heute, wo ich mein ehemaliges Besitzertum mit meinem ganzen Wesen realisiere, kommt es mir erstaunlich, beinahe ver-rückt vor, aber es war wirklich so: das Ende meines Gutsbesitzerdaseins empfand ich 1918 und 1919 nur als Befreiung von Fesseln, welche den freien Flug meines Geists beeinträchtigten.

So war es bei jedem ursprünglich und für sein Bewußtsein rein aus dem Geiste Lebenden immer, und so wird es immer sein. Alle entsprechenden Konventionen in ihrer ganzen Vielfältigkeit und ihrem ganzen widerspruchsvollen Reichtum wurzeln hier. Indessen: der Geistige, der echte, ist vom Standpunkt der Erde Exzentriker. Nie wäre die Erde vom Menschen erobert, kultiviert und damit vermenschlicht worden, wenn sein Typus bestimmt hätte. Bestimmt hat von jeher der machtvollkommene, Glanz liebende König, der weite Räume als Besitz beherrschende Grundbesitzer, der Bauer oder der den Stoffwechsel verkörpernde Handelsherr. Und zwar war letzterer von jeher der in geldlicher Hinsicht reichste, wenn auch nie der sicher Besitzende — ein sicheres Besitzrecht auf bewegliche Vermögen haben erst sehr abstraktionsfähige Völker ausgearbeitet —, denn er allein erwarb fortlaufend und sozusagen zwangsläufig, da ihm gute und schlechte Zeiten gleich großen Gewinn einbringen konnten. Mit dem Worte Handelsherr bezeichne ich hier natürlich den Urtypus dessen, was sich seither in vielen Varianten des Geschäftsmannstums herausdifferenziert hat. Seine Abrundung und insofern Vollkommenheit erreicht der Mensch aber allein als Grundbesitzer, weil sich in diesem Zustande allein sein ganzer Geist und sein ganzes Erdwesen frei ausleben können. Nur er gleicht einem freistehenden vollausgeschlagenen Baum. Er allein wurzelt vollkommen sicher in der Erde, wird von all deren Kräften getragen, genährt und belebt und zwar im eigenen Raum, so daß er sich von allem ihm nicht Gehörenden ursprünglich unabhängig fühlt. Darum braucht er auch ein Minimum an Einnahmen, Reichtum und Armut erhöhen oder beeinträchtigen nicht sein Selbstherrlichkeitsgefühl und gerade weil er fest in der Erde wurzelt, kann er, dem Baume gleich, unbefangen dem Himmel zu emporwachsen. Es hat einen tiefen Grund, daß gerade der Edelmann überall auf Erden als Grundbesitzer begonnen hat und daß der Adel überall seine besten Eigenschaften einbüßte, wenn er seines Grundherrentums, zumal seines Bewußtseins dessen verlustig ging. Letzteres geschah ja schon dort, wo er seinen Besitz als Kapital oder bloße Erwerbsbasis auffaßte. Darum ist der Edelmann der Prototyp des Freien überhaupt. Als der Erde Vermählter kann er seine Freiheit auf Erden vollkommen ausleben, was dem rein Geistigen nicht gelingt, da er wegen seiner Beziehungslosigkeit zur Erde zwangsläufig von fester auf sie bezogenen abhängig bleibt. Von hier aus versteht man auch, warum und inwiefern der Bauer der unsterbliche Born aller Volkskraft ist. Daß der Bauer der Idealmensch sei, ist selbstverständlich Unsinn; auch der freieste Bauer verhält sich zum Edelmann wie der Kurzsichtige zum Weitsichtigen, wenn nicht wie der Regenwurm zum Adler. Aber insofern der Bauer enger als irgendein anderer Menschentypus der Erde vermählt ist, ist sein Stand der Quell alles Fortbestands und alles Aufstiegs. Über dem Stand des Grundbesitzers überhaupt ist kein Typus denkbar vom Standpunkt der Natur; über ihm könnte nur der Sonnenbesitzer stehen2.

Seit meinem jüngsten Erleben meiner Vergangenheit kann ich alle diese Tatbestände und Wahrheiten innerlich einsehen; früher bemerkte ich sie gar nicht. Lasse ich aber heute die Bilder der Vergangenheit an mir vorüberziehen, so gewahre ich Illustration auf Illustration dessen aneinandergereiht, wessen abgezogenen Sinn die vorhergehenden Betrachtungen zum Ausdruck zu bringen versuchten. Die tiefe Sicherheit meines doch so geistigen und materiell völlig uninteressierten Großvaters Alexander Keyserling wurzelte darin, daß er nie an seinem rechtmäßigen Besitzverhältnis bestimmter Erde gegenüber zweifelte und ohne Hinter- noch Nebengedanken für diese lebte, was bei ihm so weit ging, daß er sogar die Laufbahn des vielversprechenden Naturforschers selbstverständlich den einmal erheirateten Gütern opferte. Mein Vater war verantwortlicher Grundherr durch und durch; nur daran dachte er, als Land- und Forstwirt kulturelle Dauerwerte zu schaffen. Und so selbstverständlich ich meine Tradition, lange bevor sie äußerlich abgebrochen wurde, meiner geistigen Bestimmung opferte — was ich an innerer Sicherheit und selbstverständlichem Überlegenheitsgefühl habe, verdanke ich dem, daß ich mich beinahe vierzig Jahre lang als Großgrundbesitzer gefühlt habe, auch wenn ich noch so wenig Geld zum Ausgeben hatte, — weil ich eben als Großgrundbesitzer geboren und überdies der Erbe langer Generationsreihen von Großgrundbesitzern nach allen Richtungen der Windrose bin. Auch ich gab ja, solange ich meine Güter besaß, den weitaus größten Teil meiner Einnahmen für diese aus, ließ sogar nach der Revolution, als dies noch möglich war, aus Liebe zum Walde nicht so viel Bäume schlagen, als einzig vernünftig gewesen wäre — und bereue diesen unpraktischen Sinn auch heute nicht. Bewußt fühlte ich mich dabei immer arm, nie jedoch wurzellos. Ich dachte damals gerade darum nur an große Einnahmen und ferne Reisen, weil ich mich tief verwurzelt fühlte, und in meiner Jugend mied ich meine Heimat solange es ging, damit das traditionelle Urgefühl meine individuelle geistige Laufbahn nicht beeinträchtigte, bevor sie fest eingefahren war. So oft ich aber nach Hause kam, dachte ich unwillkürlich gleich nur an Leben für meinen Besitz, nicht von ihm. So allein kann nun Kultur überhaupt entstehen — aus Liebe. Nur das Geliebte will man pflegen, bessern, verschönern. Liebe und Besitzgefühl hängen beim normalen Menschen zusammen — nur der suprem Geistige will nicht an sich binden im Sinn des Goetheschen Wenn ich Dich liebe, was geht’s Dich an. Und nur der Kaufmann will primär sein Haben umsetzen. In allen frühen Zuständen aber waren die Kaufleute Fremde oder hatten es zu sein. Der Bodenständige will in erster Linie nicht umsetzen; die Umkehrung des Satzes liegt logisch nahe.

Hieraus folgt denn a priori, was unbestreitbare Tatsache ist, daß es Kultur des Erdhaften je nur dort gegeben hat, wo es Besitzrecht gab. Darum begann sie zuerst überall bei Herrschern und Edelleuten, da sie zuerst Land besaßen. Die Kaufleute sind dann erst zu Kulturträgern und -mehrern geworden, nachdem jene ihnen vorgelebt hatten, wenn auch manchmal außerhalb des eigenen Landes. Darum gab und gibt es Kultur nur bei äußerlich oder innerlich seßhaften Völkern. Es gibt nämlich auch innerliche Nomaden, so heute die Russen und die Amerikaner; diese kultivieren nicht; sofern sie zivilisieren, wozu sie oft besonders geneigt und befähigt sind, tun sie es lieblos zum Zwecke besserer wurzelloser Existenz. Kultur überhaupt aber kann nur beim Nächstliegenden ansetzen; das eigene Kind zu pflegen und zu schmücken, ist jeder Frau ursprüngliches Bedürfnis. Und so ist sie als Betreuerin des Nächstliegenden auch die Mutter aller Kultivierung. Der rein Geistige hat niemals kultiviert, ob er als Inder oder Russe den Zustand der Außenwelt gleichgültig fand oder als Jude und ursprünglicher Islamit jedes Bild verabscheute — der Sarazene ist dank persisch-byzantinischer Befruchtung aus dem Arabertum hervorgegangen — oder sich bewußt kasteite und enthaftete, wie der Asket aller Breiten und Bekenntnisse. Von unserem ganzen Mittelalter wurde der Geistige als entwurzelt-sein-Sollender vorgestellt, der nichts besitzen und außerhalb aller natürlichen Bindungen leben soll. Ist die europäische Kultur trotzdem zu einem sehr großen Teil ein Werk der Geistlichkeit, so ist das dem zu danken, daß die Kirche eine sehr weltliche Institution war. Noch so geistbestimmte Kultur kann eben dort allein aufblühen und gedeihen, wo Geist und Seele ein tief-innerliches Verhältnis zur Erde eingegangen sind. Darum waren alle eigentlichen Kulturvölker ursprünglich Gärtnervölker. So unter heute noch lebenden die Franzosen und die Chinesen, bis zu ihrer Vernichtung durch die Spanier die blumenfreudigen Inkas und Azteken, die Spanier selber, insofern sie auf ihre weiten Fahrten allemal heimatliche Erde samt Pflanzen und Tieren mitnahmen, unter antiken Völkern die Perser mit ihrer unvergleichlichen Gartenkultur, auf welche alle spätere für das Auge sichtbare Kultur Indiens zurückgeht, und auch die Griechen, obgleich deren mangelndes Verhältnis zur nicht-menschlichen Natur Landkultur ausschloß; sie spezialisierten sich auf die Kultur des menschlich-Irdischen, ihnen waren die Naturformen sozusagen Vorformen der Architektur. In unserem Kulturkreise waren die Hellenen die ersten richtigen Städter und auf griechischen Einfluß geht es ursprünglich zurück, daß der italienische Adel als einziger Europas wesentlich urban war und ist. Nur Villen kannte er, keine richtig be-sessenen Landgüter. Hausbesitz bedeutet aber seelisch nie das Gleiche wie Landbesitz, denn das Haus ist ein ausschließlich Menschliches, vom Menschen verarbeitetes Fragment der Erde. Sonst war die Stadt ursprünglich nirgends Kulturmonade, sondern ein Zivilisationszentrum, eine Stätte der Abwehr und der Sicherung gegen Zerstörung und Tod. Weswegen es tief sinnvoll ist, daß der biblische Mythos Kain den ersten Städtebauer heißt: durch Mauern schützte er sich vor den Folgen seines Brudermordes.

Von hier aus gelingt es besser, als von irgend einem andern Aussichtspunkte aus, die ungeheure Kulturbedeutung Roms zu ermessen, die desto bemerkenswerter ist, als die Römer ursprünglich kein Kulturvolk waren. Von Hause fehlte ihnen jeder Schönheitssinn, jede Neigung die Erde vom Geiste her zu durchdringen; wo sie schmückten, taten sie es als Protzen, nicht aus Verständnis für edlen Stoff, dessen Beziehung zur verfeinerten Seele und dessen kunstvoller Verarbeitung; sie waren die ersten praktischen Menschen im modernen Sinn. Allein sie waren besessen von der paradoxalsten aller Leidenschaften, derjenigen für das Recht: das Recht und nicht die Gerechtigkeit, als welche für Römerbegriffe in jenem urständete, war ihr Ideal und letztes Ziel; in ihnen erlebte das Rechtsgefühl, an sich ein Primitives, das heute am ausgesprochensten die Neger kennzeichnet, seine äußerste Sublimierung. Da nun alles Recht zutiefst Besitzrecht ist, so sanktionierten die Römer wie kein früheres noch späteres Volk das Eigentum. Darum und insofern geht alle europäische Kultur auf römischen Einfluß zurück. Es besteht ein ungeheurer, noch heute überall feststellbarer Unterschied zwischen den Völkern, welche vom römischen Rechte tief beeinflußt wurden und denen, die sich dessen Einfluß entzogen. Nur jene strebten unwillkürlich nach Kultur. Die Germanen waren, als sie ins Imperium einbrachen, zunächst nur zerstörungssüchtig und noch heute fällt der Grad ihrer wesentlichen Kultiviertheit mit dem Grade ihrer Beeinflußtheit durch Rom zusammen. Wer dies nicht gleich einsehen sollte, der werde sich nur darüber klar, daß das päpstliche Rom das kaiserliche unmittelbar fortsetzt. Die alten Römer, nie ein richtiges Volk, sondern ein enger Zusammenhang weniger Schichten und Klassen, wollten nur abstrakt besitzen und regieren. Da war es nur logisch, daß sie, nachdem ihr Großgrundbesitzertum alle sinngerechten Grenzen überschritten hatte, in einen überamerikanischen Kapitalismus einmündeten und früh ohne direkte Erben ausstarben. Aber alle kulturfähigen nicht-Römer, zu denen auch die meisten Italiener gehörten, die den heutigen von jeher sehr ähnlich gewesen sein müssen, wurden durch das römische Recht ins rechte Verhältnis zur Erde gesetzt. Dies gilt zumal von den Griechen, die darum als Byzantiner mit ihrem stolzen Landadel ausklingen konnten. Eine in ihrem größtmöglichen Wirkungskreis verwurzelte hellenische Kultur gab es aber erst, nachdem das römische Recht Mensch und Erde vermählt hatte. Vorher breiteten sich die Griechen nur in Form Ghetto-artiger Stadtkolonien aus. Auf ein noch Paradoxaleres sei hier hingewiesen: auch Paulus hätte das ursprünglich nomadisch gesinnte Christentum nicht zur möglichen Weltmacht umgeschaffen, wenn er nicht irgendwo in der Tiefe seiner unbewußten Bildekräfte als römischer Bürger gefühlt hätte: dank dem vor allem konnte er den Geist seines Glaubens in beliebige fremde Erde einsäen und ihn Wurzel schlagen lassen außerhalb der ursprünglichen Geistestradition. Zuletzt sei hier der Kirche überhaupt gedacht, jener nirgends sonst unter religiösen Völkern bekannten Einrichtung. Diese ist ein Produkt des römischen Rechts, vermählt mit der spezifisch germanischen Weltfrömmigkeit und dem ebenso urgermanischen Institutionalismus. So konnte sie gar nicht umhin, immer mehr zur Weltmacht und überdies zur Großgrundbesitzerin zu werden. Das gleichzeitig immer mehr aufblühende Klosterwesen bedeutete den vom Urchristentum her fortlebenden Kontrapunkt innerhalb der Melodie unvermeidlicher Verweltlichung, weswegen auch die Klöster im Prozeß der Höherentwicklung des Kirchenwesens immer mehr zu Großgrundbesitzern wurden.

Die Bedeutung des Grundbesitzes als Ur-Orts der Vermählung des Menschen mit der Erde ist überhaupt nicht zu überschätzen. Daß bisher nur dünne Schichten Grundbesitzer waren, ist die Hauptursache der Kurzlebigkeit der meisten Kulturen, wie denn das Bestreben, alle Menschen am Erdbesitz teilnehmen zu lassen, der tiefste Beweggrund aller sozialen Revolutionen ist. Das Besessenwerden des Menschen durch die ihm zugehörige Erde gehört als passive Modalität zum gleichen Phänomen und erweitert nur dessen Herrschaftsbereich, indem es die nicht-Besitzenden und doch an bestimmten Raum Gebundenen in dasselbe mit hineinbezieht. Auch in der Ehe gehören Besitzen und Besessen-werden als Korrelate zueinander. Hier halten wir den eigentlichen Sinn der sogenannten Landschaftsseele. Es gibt weder selbständige, von sich aus schöpferische Kulturseelen im Spengler’schen, noch Paideumata im Frobenius’schen Verstand: nicht um primäre lebendige Wesenheiten handelt es sich hier, sondern um sekundäre, aus der Vermählung bestimmten Menschentums mit bestimmter Erde entstandene, welche, einmal vorhanden, freilich vom Unbewußten her den Hineingeborenen und Zugewanderten ergreifen (dieses Problem habe ich übrigens schon von einer andern Seite her im Kapitel Blut der Südamerikanischen Meditationen eingehend behandelt). Wo ein Menschentypus keine Seele hat, die mit spezifischer Erde eine Ehe eingehen kann, dort entsteht keine Kultur; es gibt andererseits Landschaften von verschiedener Eigenkraft, und aus jeder Vermählung gleichen Bodens mit verschiedenem Menschentum und umgekehrt erwachsen im Fall von Fruchtbarkeit — die natürlich ausbleiben kann — verschiedene Kulturen. Dies erklärt deren Vielfalt auf gleichem Boden und zugleich deren auf die Dauer meist noch so leise nachzuweisende Verwandtschaft. Man gedenke der Konvergenz der weißen Amerikaner mit den Indianern, der in die russische Weite eingewanderten Germanen mit den Russen, der arischen mit den dravidischen Indern und andererseits der spezifischen, in Afrika nie aufgeblühten Negerkultur auf amerikanischem Boden, welche gegenüber derjenigen der Weißen von Jahrzehnt zu Jahrzehnt vitaler und echter erscheint und dabei mit dieser augenscheinlich tief verwandt ist. Gerade an letzterem Beispiel ersieht man, wie entscheidend wichtig die Besitznahme in ihrer passiven sowohl als in ihrer aktiven Modalität ist: der Neger hat ein viel innigeres Verhältnis zur nordamerikanischen Erde gewonnen als der Weiße, der sich ihr bisher nie richtig vermählte; er beutete sie nur aus. Und nun gelange ich zur Hauptsache: aus dem Besitzverhältnis allein erwächst psychische Atmosphäre, und auf sie kommt bei möglicher Kultur alles an. Nur wo jene als selbständige Wesenheit konsolidiert ist, was im Europa der letzten Jahrzehnte am stärksten in Paris der Fall war und dann gleich in meiner baltischen Heimat, kann Landschaftsseele von sich aus ergreifen. Es gibt wirklich das, was man genius loci heißt. Noch der heutige Mensch kann dessen Dasein unmittelbar spüren und von dorther leicht rekonstruieren, daß und wie einmal, bei andersartiger Empfänglichkeit, Fluß-, Berg- und Waldgötter als richtige Gottheiten wahrhaftig erlebt wurden. Ebenso versteht man von dorther, inwiefern es Landschaften gibt, welche den Sinn für das Metaphysische und gleichzeitig für das Eine und Einfache steigern, wie Wüste und Steppe, psychischer Differenzierung jedoch nicht hold sind; von hier aus gesehen ist ganz Rußland einheitliches Steppenland. Man versteht auch, wie andere Weitenlandschaften direkt entleeren oder den Menschen dem Mineralischen angleichen, weswegen innerhalb ihrer überhaupt keine richtigen psychischen Atmosphären entstehen. Hier denke ich zumal an Zentralasien und gewisse Teile Amerikas und Afrikas. Dort, in jenen mehr stellaren als tellurischen Landschaften, entsteht schwer ein richtiges Besitzergefühl und die festzustellende Besessenheit ist solche durch nichtmenschliche Mächte und Elemente, keine menschliche.

Von hier aus gelingt es, zwischen den Urbedeutungen von Großgrundbesitzer- und Bauerntum richtig zu unterscheiden. Wohl aller Großgrundbesitz ist von Eroberern und Weitenmenschen begründet worden. In dessen erstem Stadium gingen diese gar keine Vermählung mit der eroberten Erde ein; zunächst schlossen sie sich gegenüber einer fremden und feindlichen Umwelt in exklusiven Kasten ab, von den arischen Eroberern Indiens bis zu den puritanischen Besiedlern Nordamerikas. Insofern solche Typen weder richtig besitzen noch besessen werden, entspricht ihnen der Geist des Lehenssystems am besten. Auch nachdem sie auf der neuen Erde heimisch geworden, verharren die ursprünglichen Eroberer lange in einem hochmütigen Distanzverhältnis zu ihr. Doch gerade der Eros der Ferne im Unterschied vom Eros der Nähe ist im großen Stile produktiv. So sind aus der durchgehaltenen Spannung zwischen Mensch und Erde oder doch in deren Bannkreis alle Hochkulturen entstanden, deren Seele Herren- und Freientum war. Im Lauf der Zeit intimisierten sie sich, die Urspannung verwandelte sich in molekularen Zusammenhang und damit konvergierten Adel und Bauerntum. Nie jedoch ist Adel aus Bauerntum hervorgegangen. Typischerweise haßten und verachteten alle Eroberer und Herrenvölker die Landwirtschaft, die sie von Unfreien betreiben ließen; den Extremausdruck dessen verkörperte Sparta, wo alles Land den Heloten überlassen blieb samt dem weitaus größten Teile des Gewinnes aus demselben. Und richtige Landwirte sind echte Adelige nie geworden, so lange das ursprüngliche Distanzverhältnis überhaupt in ihnen fortlebte. Insofern sich Eroberer nie mit der von ihnen besessenen Erde bis zur Scheidungsunmöglichkeit vermählten, was mitbedingt, daß sie sich mit den unterdrückten Ureinwohnern gar nicht vermischten, wurden sie fast immer irgend einmal von diesen gestürzt; Enteignete und Entrechtete können sehr wohl die eigentlichen Besitzer bleiben; daher das Restaurations-artige aller erfolgreichen Bauernaufstände, welchen sämtliche modernen Agrarreformen zuzurechnen sind; Frankreich ist erst durch die französische Revolution, welche die Vormacht der vom germanischen Weitengeist inspirierten Ober-schicht brach, zum Lande des Besitzgefühls par excellence geworden. Über alle diese Dinge kann ich als Balte, welcher den Untergang seiner Nation — denn wir waren eine besondere Nation — miterlebt hat, aus allerlebendigster Erfahrung reden. Obgleich alle Landeskultur unser Werk war, haben uns die Esten und Letten mit bestem Gewissen verjagt; in deren Sinne waren wir wirklich niemals bodenständig. Aber eben daher unser besonders produktives Verhältnis zur von uns siebenhundert Jahre lang besessenen Erde. Zweifellos haben wir unsere Heimat viel leidenschaftlicher geliebt, als je die Undeutschen, gerade weil die Spannung des Eros der Ferne unsere Sehnsucht lebendig erhielt. Ähnlich produktiv war die Beziehung der Juden zu Palästina, weil es für sie das gelobte Land blieb; ähnlich leidenschaftlich lieben Eingewanderte die neue Erde; das tun zumal die Südamerikaner, insofern sie als Hispanier extrem erdzugekehrt sind und mit der amerikanischen Erde doch noch nicht ganz vermählt sind. Liebe nun setzt alle Kräfte des Menschen in Bewegung. Wir Balten waren in bezug auf unsere Heimat nie durch Gewohnheit stumpf gewordenen Eheleuten vergleichbar. Dennoch waren wir als Herren völlig fest im Boden verwurzelt und dieser Boden bedeutete uns immer Großgrundbesitz. So schlugen wir breit aus, wie dies in engen Verhältnissen unmöglich ist und konnten uns, jeder auf seine Art, individualisieren, wie dies bei meinen Lebzeiten in Europa sonst nirgends mehr der Fall war. Wir standen recht eigentlich aufrecht über der Erde und dennoch fest auf ihr, durch ununterbrochene Erbfolge mit unseren Ahnen in selbstverständlichem Zusammenhang, in unserm Sosein niemals unterdrückt oder gehemmt, und dies erklärt unsere gegenüber den Reichsdeutschen ungleich größere Lebenskraft, die sich nicht nur in siebenhundertjähriger Selbstbehauptung gegenüber übermächtigen Feinden, sondern besonders im Exil und der Verarmung seit 1918 bewährt hat; meines Wissens ist kein baltischer Edelmann aus Schwäche untergegangen. In unserer Eigenart ungebrochen, konnten wir in der Fremde aber nur weiterleben, weil wir nie Bauern waren.

Von hier aus ersieht man, scheint mir, endgültig, wie völlig verschiedene Dinge Besitzertum und Reichtum sind. Als oder wo es Geldreichtum nur in Form von Schatzansammlung gab, damals und dort waren Reiche wesentlich Besitzer; aus Wagners Fafner, welcher auf seinem Schatze liegend sang Ich liege und besitze sprach zweifellos Besitzermentalität. Aber gerade die Nibelungensage mit ihrem Kernpunkt, dem Alberichfluch, der auf dem Golde lastet, verdeutlicht besonders einleuchtend, inwiefern auch Schatzmäßiger Geldbesitz mit Grundbesitz niemals vergleichbar ist. Nie entsteht daraus lebendige und schicksalsmäßige Verbundenheit mit der Erde, nie kann einer das Gold lieben und für dasselbe leben, wie es der Landbesitzer für die von ihm betreute Erde tut. Der Goldbesitzer kann sich nur entweder zum Geizhals oder zum unersättlichen Kapitalisten entwickeln. Daher das recht eigentlich Ahasverische des kapitalistischen Menschen. Der Kapitalismus, welchem Geldmenge alles bedeutet und welcher keine seelische Beziehung an das Angelegte — ein gutes Wort — kennt, ist recht eigentlich der Totengräber echten Besitzertums; zwangsläufig sucht er alles Immobile zu mobilisieren und es ist nur logisch, daß er, nachdem er alle vernünftigen Grenzen überschritten hat, in besitzfeindlichen Bolschewismus einmündet oder umschlägt. Schon das römische Besitzertum überschlug sich dergestalt im Verlauf einer dem Sinne nach sehr ähnlichen Entwicklung. Nur daß die damaligen, alle Erbrechte annullierenden Bolschewisten nicht von unten herauf, sondern von außen her kamen.

Seitdem mir alles dieses hier nur skizzenhaft Umrissene fortschreitend klar wurde und wird, bewege ich mich auf dem von mir so lange schon bewohnten Planeten wie auf Neuland. Zum ersten Male realisiere ich für mich den Sinn von Besitzgrenzen: als ursprünglich rein Geistbestimmter bin ich der Anlage nach keine Grenzen anerkennender Eroberer und kann den Unterschied von Mein und Dein und das Unrecht des trespassers, des Grenzüberschreiters, wie die englische Gerichtssprache noch heute den Verbrecher heißt, nicht aufrichtig realisieren. Zumal meine Unersättlichkeit sich am liebsten das Weltall einverleibte. Aber eine Vermählung eines bestimmten begrenzten Menschen ist nur möglich mit bestimmter begrenzter Erde; wo dies naturgewollte Verhältnis nicht verstanden wird, ergibt sich Entwurzeltheit, die nur bei Nomaden und Kriegervölkern positiven Sinn hat, insofern diese leichten Herzens überalterte Grenzen zerstören und damit neuen sinngerechteren Gleichgewichtsverhältnissen zwischen Mensch und Erde den Weg bahnen; diese positive Rolle haben die Mongolen in China, Indien und Rußland gespielt, die Germanen der Völkerwanderung auf dem Boden des entartenden römischen Weltreichs, die Normannen im frühen Mittelalter, die Araber in Persien; es ist sehr möglich, daß der Bolschewismus oder der alle Grenzen verleugnende Geist des Menschen als Flugwesen, wenn dieser einmal zur Seele eines starken Volkes werden sollte, auf die Dauer eine ähnlich positive Rolle spielen wird. Sobald es aber überhaupt Besitz gibt, gibt es auch anerkannte Grenzen; und je mehr diese durchseelt sind, desto näher liegt die Auffassung, daß Besitzrecht heilig ist und Grenzen ohne Verbrechen unüberschreitbar. Auf die Dauer grenzen sich da wirklich die verschiedenen Kulturmonaden mit der Schärfe verschiedener Pflanzenarten voneinander ab. So soll es noch gestern kaum vorgekommen sein, daß Bewohner von Garmisch und Partenkirchen, welche ineinander verlaufenden Städte verschiedenen Ursprungs sind, untereinander heiraten und bei denjenigen von Elberfeld und Barmen war kürzlich noch deutlich zu spüren, daß der römische Limes vor zweitausend Jahren diese beiden Siedlungen hermetisch voneinander abschloß. Um wie Ursprüngliches, nur eben ins Menschliche transponiert, wo Tradition zum großen Teil die Rolle physischer Vererbung übernimmt, es sich hier handelt, beweist der Umstand, daß viele Tiere, insbesondere Vögel, genau abgegrenzte Reviere für sich beanspruchen, welche Ansprüche nach einmal stattgefundenem Kampf und Sieg auch von allen anderen Tieren gleicher Art anerkannt werden, außer von aus der Art Geschlagenen, die auch von allen Artgerechten als richtige Einbrecher behandelt werden. Eben darum kommt unter ursprünglichen Verhältnissen Diebstahl selten vor und wird solcher gegebenenfalls furchtbar bestraft. Noch um 1800 wurde in England jeder gehenkt oder konnte es doch werden, welcher fremdes Eigentum im Wert von nur einer Krone gestohlen hatte. In meiner Heimat hatten noch zur Zeit meiner Kindheit die Behörden größte Mühe, das Lynchen von Pferdedieben zu verhindern — das Töten eines Menschen empfanden die Esten als nicht annähernd gleich gravierend. Auf dem Felde stehende Ernten werden kaum irgendwo auf Erden bestohlen. Diese Achtung der Grenzen kann bis ins Groteske gehen: so erzählte mir mein Vater, daß zur Zeit seiner Kindheit in gewissen Gegenden Livlands alle Bauernjungen an allen für sie in Frage kommenden Grenzsteinen einmal weidlich durchgeprügelt wurden in der Erwartung, daß sich die Grenzen dank dem für immer ihrem ganzen Organismus einprägten. Im Grunde hat es mit der vorausgesetzten Heiligkeit der Grenzen die gleiche Bewandtnis wie mit der Heiligkeit der Ehe. Einnahmen zu stehlen hat ursprünglich wohl nirgends als verbrecherisch gegolten; sonst wäre Besteuerung undenkbar, als welche ich, der ich einem Lande entstamme, wo es bis 1918 für Edelleute keine merklichen direkten Steuern gab, noch heute als Raub oder Erpressung empfinde — womit ich selbstverständlich Unrecht habe. Aber Besitzgrenzen sind wirklich heilig, nur von heiligen Bezirken oder vom Asylrechte her richtig zu verstehen. Diese Heiligkeit schwindet aber sofort dahin, wo immer Besitz beweglich wird. Seinem ganzen Wesen nach ist er unbeweglich und unveräußerlich, dem Umsatze grundsätzlich entzogen. Tiefste Einsicht sprach aus der Auffassung der alten Griechen, die in der Veräußerung von Grundbesitz einen Frevel sahen, sodann aus dem Bestreben der christlichen Kirche, die sich in einem bekehrten Lande verwurzeln wollte, durch Stiftungen und Erbschaft möglichst schnell zu Großgrundbesitzern zu werden.

Von hier aus verstehe ich denn endlich auch ganz den Unterschied zwischen Ererbtem und persönlich Verdientem oder sonst Erworbenem. Ererbter Besitz hat auch für das Empfinden solcher, die religiös zu empfinden unfähig sind, Heiligkeitscharakter und er allein hat es, weil er die unauflösliche Beziehung des Menschen zur Erde im gleichen Sinne perpetuiert, wie der Zusammenhang von Blut und Tradition unerläßlich ist zur Fortpflanzung bestimmter Menschenart; gerade darum bekämpfen ihn Entwurzelte mit besonderem Haß. Und in der Regel kann Besitz im echten Sinne überhaupt nur ererbt werden, weil jeder größere zum mindesten viel mehr wert ist, als irgend einer, der kein Erwerbsgenie ist, in einem Leben erwerben kann und vor allem weil zu ihm unzählige beseelte Kleinigkeiten gehören. Ich sehe eines der wenigen konstruktiven Zeichen in dieser unserer vorwiegend destruktiven Zeit, daß der Gedanke unveräußerlichen Besitzes erneut zur Geltung gelangt. Bisher dominierte ja während der letzten Jahrhunderte allenthalben die Tendenz, alles Immobile zu mobilisieren. Von hier aus gesehen ist es auch vollkommen berechtigt, daß der Erbe auf allen Gebieten mehr gilt, als der Initiator. Sofern der Mensch bestimmte Lebensform perpetuieren will, kann er gar nicht umhin, Legitimist zu sein. Und gerade den Gründern neuer Tradition liegt am meisten an Legitimität. Abermillionen von Amerikanern behaupten aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz, daß ihre Vorfahren auf der Mayflower den Atlantik überquerten. Gibt es keine alten Familien, denen eine Vorzugsstellung eingeräumt wird, dann schafft das Jahr der ersten Niederlassung oder des Parteibeitrittes den Rang, oder es wird irgendein neuer Mythos, z. B. derjenige illegitimer hoher Abkunft als fable convenue geglaubt. Auch im revolutionierten Europa gilt der Sohn des selfmade man den meisten ganz unwillkürlich mehr als dieser selbst und ganz besonders gilt dies gerade dort, wo der Wert ererbten Rechts bewußt am heftigsten bekämpft wird. Auch hier, wie so oft, verleiht die spanische Sprache urtümlichem Sinn den besten Ausdruck. Hidalgo wird dort der Edelmann geheißen; hidalgo aber bedeutet hijo de alguien, das heißt fils de quelqu’un, Sohn von Jemand (selbstverständlich ist diese Wortdeutung die richtige und nicht die moderne Vorurteils-geborene, welche hidalgo als Verballhornung der Wortbildung hijo de godos [Gotensohn] versteht). So tief wurzelt diese Urauffassung in jedem, daß aller soziale Aufstieg ähnlich beurteilt wird. Den regierenden Fürsten des XIX. Jahrhunderts galten die Napoleoniden ganz selbstverständlich mehr, als der große Napoleon. Ich selbst habe 1937 Ähnliches in so pittoresker Form erlebt, daß ich die Erinnerung daran festhalten möchte. Nach Wien zu Gast eingeladen, verbrachten meine Frau und ich, nachdem die Frist der Einladung abgelaufen war, die für Wien noch vorgesehene Zeit für alle selbstverständlich, weil unsere Mittel uns größeren Aufwand nicht erlaubten, in einer billigen Pension. Von meinen beiden Söhnen jedoch, welche dazumal noch Knaben waren, wurde dem einen die eleganteste garçonnière der Stadt zur Verfügung gestellt und dem andern gar ein ganzes Haus, ohne daß irgend jemand etwas besonderes dabei fand; sie waren eben hidalgos, während ich in die Stellung, welche ich damals in der Welt einnahm, emporgekommen war.

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Zu diesem Gedankengang und den folgenden schrieb mir mein Sohn Manfred am 2. 9. 1944 Reflexionen, die ich meinen Lesern nicht vorenthalten möchte:
Auch mich beschäftigt in letzter Zeit sonderbarerweise (ich habe schon oft diese Gleichzeitigkeit bemerkt) das Problem, daß Sein in Form von Haben erlebt wird, besonders. Es stellt sich mir etwas anders, da meine ersten Gedanken und Assoziationen im allgemeinen den moralischen Aspekt eines Tatbestandes bevorzugen. Ich könnte den Satz sogar umkehren, denn ich habe gefunden, daß auf seelischem Gebiet die meisten Leute ihr Haben in Form von Sein erleben, was zu vielen intimen und sozialen Mißverständnissen Anlaß gibt. Das kommt nämlich daher, daß die meisten Menschen nicht wahrhaftig genug sind, um sich ihren Besitztrieb, ihr Haben-Wollen von Dingen, die sie lieben, einzugestehen. Wenn mir einer sagt: Ich bin Deutscher oder Ich bin Christ oder Ich bin ein geistiger Mensch, oder wenn er überhaupt etwas über Charaktereigenschaften mit den Worten ich bin so und so aussagen will, habe ich immer das Gefühl, als beanspruche er Deutschland, Christentum, den Geist oder diese oder jene Eigenschaft für sich allein, schlösse mich also von meinem rechtmäßigen Anteil an diesen kollektiven seelischen Gütern aus. Seelische in-Besitz-Nahme ist nämlich nicht ein haben-Wollen, halten-Wollen mit den Händen, wie das vom äußeren Besitz gelten kann, sondern ein mich-an-die-Stelle-des-Anderen-Setzen. Das seelische besitzen-Wollen des geliebten Partners tarnt sich im so-sein-Wollen. So nimmt man jemandem etwas, wenn man in seinem Namen spricht, weil man seinen seelischen Anteil an gemeinsamem Gut in dem Augenblick unbewußt für sich beansprucht. Genau so nimmt der Politiker, der im Namen des Volkes spricht, dem Einzelnen seinen Anteil an der kollektiven Volksseele, indem er sich mit ihr identifiziert. Darin liegt viel vom Geheimnis seelischer Bindung. Wer dem anderen dadurch, daß er ein kollektives Seelengut für sich beansprucht, seinen Anteil nimmt, bindet diesen an sich. Der Andere kann den Teil der Seele nur noch durch den Räuber erleben, weil der ihn ja an sich gerissen hat. Das Sein wird jedem Menschen vom Mitmenschen mit Recht streitig gemacht, der dieses allgemein Menschliche für sich allein beansprucht. Das Haben, der Besitz dagegen wird niemandem streitig gemacht, solange er sich offen dazu bekennt. Nur wer sich mit dem Stückchen Erde, das ihm rechtmäßig zusteht, identifiziert, greift dadurch in eine Region hinüber, wo er Sein usurpiert und das nimmt man übel.

Und so weiter. Versteht man von hier aus nicht am besten den Haß gegen den Kapitalisten und die an sich irrsinnige Theorie, daß Eigentum Diebstahl sei? Es gibt tatsächlich viele Menschen, bei denen Sein und Haben in solcher Verzerrung miteinander verquickt in die Erscheinung treten, daß man ihr Haben unwillkürlich als Raub an anderen empfindet.

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Diese meine Auffassung wird nur der verstehen, welcher das ökonomische Problem gleich mir überhaupt nicht von soziologischen Voraussetzungen her beurteilt. Im übrigen schreibe ich natürlich als geborener Landedelmann und kann als solcher eine gewisse Einseitigkeit der Auffassung nicht überwinden. Als Ergänzung und Korrektur drucke ich einen Brief des mir befreundeten württembergischen Lederfabrikanten Hans Roser ab, dem ich dieses Kapitel vor der endgültigen Redaktion mit der Bitte zusandte, mir Berichtigungen und Anregungen aus seinem Erfahrungsbereiche mitzuteilen. Zu diesem hochinteressanten Briefe habe ich nur zu sagen, daß Württemberg wohl sehr viele hochbedeutende Geistige, aber meines Wissens keine in meinem Sinne überlegene Persönlichkeit hervorgebracht hat, außer im Kreise der Standesherren, von denen viele noch in Schwaben ihre Schlösser haben, aber innerhalb der Volksgemeinschaft längst nichts mehr bedeuten. Ich zitiere:
Mir ist beim Lesen des Kapitels Besitzende und Besitzlose wieder so recht zum Bewußtsein gekommen, wie entscheidend für den Menschen das Milieu ist, in dem er geboren wurde. Ich zitiere, um ganz deutlich zu sein, einen Passus aus dem Vortrag Norddeutsche und Schwaben unseres schwäbischen Dichters und Folkloristen August Lämmle:
Durch den Deutschritter-Orden schon hatte der Adel, besonders im Nordosten, eine hohe Leistung vollbracht und Geltung erlangt; die Jahrhunderte des Kampfes waren eine vortreffliche, eine deutsche Schule gewesen. Und Friedrich Wilhelm I. und sein Sohn Friedrich der Große, als sie den preußischen Staat durch Heer und Verwaltung aufbauten, hatten am Adel die unbedingt zuverlässigen Männer. So war dem Adel in Preußen im 18. und weit ins 19. Jahrhundert hinein sein Platz gleich hinter dem König angewiesen. Die Ministerstellen und die höheren Beamtenstellen, die Offizierspatente waren dem Adel vorbehalten. Friedrich der Große wollte keine anderen als adelige Offiziere haben. Mit dem Adel regierte der König das Land, hielt er Untertanen und Verwaltung und Wirtschaft in Ordnung. In schwierigen Zeiten und in dem slawischen oder halbslawischen Volke war der Adel die sichere Stütze des Staates. Pflichtbewußt, einfach, königstreu — das war seine Devise. Bismarck ist ganz das Urbild des märkischen Junkers. Strenge Ehrengesetze, strenge Kindererziehung, Exklusivität im gesellschaftlichen Verkehr und vor allem bei den Heiraten hielten den Adel lange auf seiner Höhe und machten ihn zu der geschlossenen und entschlossenen Macht im Staat.
Der Adel war Herrschafts- und Kulturträger. Das Bürgertum des 18. Jahrhunderts spielte nur eine bescheidene Rolle. Bauerntum in unserem schwäbischen oder bayrischen Sinne gab es, wenigstens im Osten und auch in Mecklenburg und Pommern, kaum. Dafür Pächter und Deputatleute oder Kätner. Treffliche Bilder von allen diesen Verhältnissen geben Fritz Reuter in Ut mine Stromtid, Gustav Freytag in Soll und Haben und Theodor Fontane in Effi Briest.
Der Adel war also Vorbild und Autorität in allem. Seine Lebensinhalte und Lebensideale waren Muster und Wunschbild in Stadt und Land. Die aus dem Volke kommenden Unteroffiziere und Unterbeamten übernahmen selbstverständlich in und außer Amtes die Art ihrer Herren von der Tat bis zum Getue. Es war eine Kultur, die von den oberen Klassen ins Volk sickerte. Auch der Begriff Bildung wurde von den oberen Ständen übernommen, freilich nicht der Inhalt, sondern ein Versuch zur Form. Während bei uns in Schwaben ungebildet fast gleichbedeutend ist mit unwissend, hat das Wort in Norddeutschland den Sinn von unhöflich, also unhöfisch, nicht gesellschaftsfähig. Gesellschaftsfähig, was das ist, das weiß man bei uns kaum, da man ja in allen Ständen und Schichten gleichen Blutes ist. Es liegen eben in Schwaben die Verhältnisse ganz anders. Während in Preußen der Adel die staatsaufbauende, staatstragende und staatserhaltende Kraft war, haben z. B. die württembergischen Grafen schon bald nach 1250 angefangen, den Adel in ihren Herrschaften auszukaufen und zu entfernen. Das Land vermochte nicht mehr als einen Herrn zu ernähren. Die Männer um den Grafen im Bart waren Gelehrte aus der bürgerlichen und bäuerlichen Ehrbarkeit. Eberhardt gründete für die Söhne seines Landes die Tübinger Universität und Herzog Ulrich und Herzog Christoph richteten für die begabten Bauern-, Handwerker- und Beamtensöhne Schulen ein, wo jeder, wenn er ein gutes Examen machte, in die höchsten Staats- und Kirchenstellen aufrücken konnte. Die Schule und das Lernen wurden wichtig, ein gutes Examen bestimmte und sicherte das Fortkommen und die gesellschaftliche Stellung. Im protestantischen Altwürttemberg galt es als eine besondere Ehre, einen Professor, im katholischen Oberland, einen Pfarrer in der Familie zu haben. Die Pfarrer wurden vom König eingesetzt, in Preußen von der Gemeinde gewählt.
Also Bauern- und Handwerkersöhne rückten in die leitenden Stellen des Staates und der Kirche ein. Sie brachten frischen Kopf, unverbrauchte Arbeitskraft, bescheidene Ansprüche, Zuverlässigkeit und dazu ihre bäuerliche Art und Lebensgewohnheit mit, blieben in engster Verbindung mit ihrer bäuerlichen Verwandtschaft; selbstverständlich gebrauchten sie auch nach wie vor ihre volkstümliche Mundart, wenn auch in etwas gehobener Form, die man Honoratiorenschwäbisch nannte. Hegel, Schelling und Hölderlin, auch Schiller hat ja noch in Jena und Weimar geschwäbelt.
Dieses Aufsteigen der führenden Schicht aus dem bäuerlichen Volk gab und gibt bis heute dem schwäbischen Leben und der schwäbischen Geselligkeit ihren Grundcharakter; andererseits wirkte und wirkt die gehobene Schicht befruchtend auf die bäuerliche Jugendheimat zurück. So haben wir in Schwaben nicht nur den Unterschied zwischen Ober- und Unterschicht beseitigt, sondern auch im Arbeiter- und Bauerntum jene solide Strebigkeit erreicht, welche die Entwicklung unserer Industrie bewirkte, die in Württemberg aus dem Kleinbauerntum erwuchs.
Es ist klar, daß sich bei so verschiedenen Schicksalen, so verschiedenen politischen Ordnungen und so andersartigen sozialen und kulturellen Grundlagen und Idealen, verschiedenartige Lebensformen entwickeln mußten, die räumlich und menschlich gebunden sind. Bäuerliche Kultur in Schwaben und Bayern, aristokratische Kultur in den norddeutschen Ländern.
Die nachfolgenden Angaben gelten für schwäbische Verhältnisse. Das geschieht nicht aus Lokalpatriotismus oder Einseitigkeit. Aber Sie wollen Konkretes, Persönliches wissen. Auf dem schwäbischen Boden kenne ich mich aus. Hier ist ursprünglich nicht Herr und Knecht die Norm, sondern der Bauer. Daraus ergeben sich gewisse Gegensätze zu Ihrer Einstellung. Aber nicht um die Herausarbeitung dieser Gegensätze geht es mir; ich schildere nur unsere Verhältnisse, die Schlüsse daraus werden Sie selber ziehen.
Sechzig bis siebzig Prozent unserer städtischen Bevölkerung kommt vom Lande und ist bis heute in ihren Gebräuchen rein bäuerlich geblieben. Sie sehnt sich nach Feld und Pflug. Unsere schwäbischen Arbeiter sind nie richtige Proletarier gewesen, weil jeder zum mindesten einen Garten besitzt (aber niemals einen Schrebergarten), die meisten aber noch einen Acker, welchen sie nach anstrengendem Arbeitstag bis in die Nacht hinein umtreiben. Der Schwabe hängt mit ganzem Herzen an seinem Sach. Ein Schwabe, der beim Karneval, wie z. B. der Rheinländer, Bett und Matratze versetzen würde, ist einfach undenkbar. Der Boden war ursprünglich karg und gab wenig her. Durch intensive Bearbeitung wurde er besser. Er wirft zwar keine Rente ab, aber er ernährt die Familie. Wurde die Familie zu groß, so wanderte man aus oder ging in die Fabrik. Deshalb die merkwürdige Mischung von Industrie und Landwirtschaft, weil die Industrie den billigen Löhnen auf dem Lande nachging und sich nicht bloß in den Städten konzentrierte. Der Versuch, Ostpreußen zu württembergisieren, den der Gauleiter Koch in den Jahren vor dem Krieg energisch betrieb, wird daran scheitern, daß dort kein Bauerntum in unserem Sinne vorhanden ist. Der Raum bei uns ist eng. Man ist fleißig, sparsam und leider auch neidisch. Man muß es zusammenhalten, sonst kommt man unter den Schlitten, denn man will zu allererst unabhängig sein. Mit zehn Morgen Land und zwei Kühen kann ein Bauer leben, wenn er es selber ohne Knecht umtreibt. Reich wird man dabei nicht. Wenn einem diese Erde zu eng wird, so bleibt der Weg ins Metaphysische. Württemberg ist das Land des Pietismus. Hier kann sich das Bedürfnis nach Freiheit und Unabhängigkeit ausleben. Der schwäbische Pietismus hat, wie ich mir erzählen ließ, wundervolle Blüten gezeitigt. Leute wie Michael Hahn hatten sicher nie etwas von Buddha oder Yoga gehört, aber sie kommen zu denselben Ergebnissen und benützen manchmal dieselben Worte für das Unnennbare. Jedem richtigen Schwaben hängt der Pietismus an, ob er sich dessen bewußt ist oder nicht. Im Pietismus wurzelt bei uns ursprünglich die Entwicklung des Geistigen und Wirtschaftlichen. Meine Vorfahren sind 300 Jahre Gerber. Mein Großvater hat noch morgens mit seinen Arbeitern den Morgensegen gelesen. Leute wie Bosch, Voith und andere württembergische Industrielle sind aus dem Bauernstand hervorgegangen. Der schwäbische Arbeiter weiß, daß sein Chef mehr arbeiten muß und eine größere Verantwortung trägt als er, aber er ist auch damit einverstanden, daß er einen anderen Lebensstandard hat. Zu dem oben zitierten August Lämmle sagte einmal ein schwäbischer Arbeiter: Unser Chef ist ein Trüler (ein trauriger, langweiliger Geselle), er hat nicht einmal ein rechtes Auto.
Sie schrieben, daß Sie in Rayküll gehaust hätten, als hätte es Ihnen nicht gehört. Genau so geht es mir in meinem Betrieb. Was mich reizt, das ist das neue Entwickeln, das Schöpferische, die Freude am schönen Material. Es ist mir viel wichtiger, ein gutes Leder zu fabrizieren, als viel Geld zu verdienen. Ich fühle mich voll verantwortlich für das, was aus der Fabrik hinausgeht. — Mir ist ganz klar, was die erste Arbeit nach dem Kriege sein muß: Siedeln, siedeln und noch einmal siedeln. Damit wird der Arbeiter unabhängig und krisenfest. Damit wird das Gegenseitigkeitsverhältnis erreicht, das Sie erwähnen und die Wirtschaft wird nicht mehr als Ausnutzung und Übervorteilung empfunden. Ich sprach gestern einen alten Arbeiter, der vom Jahre 1922 bis 1930 in meinem Betrieb tätig war. Er hatte sich in der Zeit so viel erspart, daß er sich eine kleine Schafherde kaufen konnte. Jetzt hat er ca. 450 Schafe und lebt zufrieden und glücklich. Sie sehen, daß wir schwäbischen Industriellen nicht zu den Besitzlosen zu rechnen sind. Man hat sein Vermögen nicht in Papieren angelegt, sondern man steckt alles in den Betrieb. Ich glaube aber, daß der reine Kapitalist unter diese Kategorie gehört. Im Gegensatz zum Grundbesitzer oder zum Industriellen plagt den Kapitalisten ständig die Unruhe, das Geld richtig anzulegen. Dabei hat er keinerlei persönliche Beziehung zur Anlage, deshalb das Fluktuierende des internationalen Großkapitals, die ständige Unruhe, das Ahasverische. Alles was der Kapitalist kauft, muß sich wieder leicht und schnell realisieren lassen, damit er nicht daran hängen bleibt.
Hermann Keyserling
Reise durch die Zeit · 1948
II. Abenteuer der Seele
© 1998- Schule des Rades
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