Schule des Rades

Richard Wilhelm

I Ging · Das Buch der Wandlungen

Zweites Buch: Das Material — Die Struktur der Zeichen

3. Die Zeit

Die Gesamtsituation, die durch ein Zeichen zum Ausdruck kommt, heißt die Zeit. Dieser Ausdruck umfaßt je nach dem Charakter der verschiedenen Zeichen durchaus verschiedene Bedeutungen. Bei Zeichen, deren Gesamtsituation ein Bewegungsvorgang ist, heißt die Zeit das durch diese Bewegung veranlaßte Abnehmen oder Wachsen, Vollsein oder Leersein. Zeichen dieser Art sind z. B.

Nr. 11; Tai, der Friede,
Nr. 12, Pi, die Stockung,
Nr. 23, Bo, die Zersplitterung,
Nr. 24, Fu, die Wiederkehr.

Ebenso heißt die Zeit die Handlung, der Vorgang, der für ein Zeichen charakteristisch ist, wie z. B. in

Nr. 6, Sung, der Streit,
Nr. 7, Schï, das Heer,
Nr. 21, Schï Ho, das Durchbeißen,
Nr. 27, I, die Ernährung.

Ferner bedeutet die Zeit das Gesetz, das durch ein Zeichen zum Ausdruck gebracht wird, z. B.

Nr. 10, Lü, das Auftreten,
Nr. 15, Kiën, die Bescheidenheit,
Nr. 31, Hiën, die Einwirkung,
Nr. 32, Hong, die Dauer.

Endlich kann die Zeit auch den bildlichen Zustand bedeuten, der durch ein Zeichen dargestellt wird, z. B.

Nr. 48, Dsing, der Brunnen,
Nr. 50, Ding, der Tiegel.

In allen Fällen ist die Zeit eines Zeichens bestimmend für den Sinn der Gesamtsituation, von dem aus die verschiedenen Einzellinien ihre Bedeutung erhalten. Je nach der Zeit kann ein und dieselbe Linie — etwa Sechs auf drittem Platz — das eine Mal günstig, das andere Mal ungünstig sein.

Richard Wilhelm
I Ging · Das Buch der Wandlungen
Die Struktur der Zeichen
© 1998- Schule des Rades
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