Schule des Rades

Richard Wilhelm

I Ging · Das Buch der Wandlungen

Zweites Buch: Das Material — Die Struktur der Zeichen

5. Der Charakter der Striche

Der Charakter der Striche wird bezeichnet als fest oder weich, als zentral, als korrekt, oder nicht zentral und nicht korrekt. Fest (oder hart) sind die ungeteilten, weich (oder schwach) sind die geteilten Linien. Zentral sind die beiden mittleren Linien der Urzeichen, also die zweite und fünfte, unabhängig von ihrer sonstigen Qualität. Korrekt ist eine Linie, die auf dem ihr gebührenden Platz steht, also eine feste Linie auf erstem, drittem, fünftem Platz, eine weiche Linie auf zweitem, viertem, sechstem Platz. Feste und weiche Linien können beide günstig oder ungünstig sein, je nach den Zeiterfordernissen des Zeichens. Wenn die Zeit Festigkeit verlangt, sind die festen Striche günstig, wenn die Zeit Weichheit verlangt, die weichen. Das geht sogar so weit, daß gar nicht immer Korrektheit ein Vorzug ist. Wenn die Zeit Weichheit vorschreibt, ist ein fester Strich auf drittem Platz, obwohl an sich korrekt, vom Übel, weil er zu viel Festigkeit zeigt, während umgekehrt eine weiche Linie an drittem Platz günstig sein kann, weil sie durch Weichheit des Wesens die Härte des Platzes ausgleicht. Nur die zentrale Stellung ist in der ganz überwiegenden Anzahl der Fälle günstig, sowohl wenn sie mit Korrektheit verbunden ist als auch sonst. Insbesondere kann ein weicher Herrscher eine sehr günstige Position haben, besonders dann, wenn ihm ein starker, fester Beamter auf zweitem Platze entspricht.

Richard Wilhelm
I Ging · Das Buch der Wandlungen
Die Struktur der Zeichen
© 1998- Schule des Rades
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