Schule des Rades

Richard Wilhelm

I Ging · Das Buch der Wandlungen

Drittes Buch: Die Kommentare — Erste Abteilung

I D E O G R A M M

14. Da Yu - Der Besitz von Großem

Kernzeichen:Dui und Kiën
Der Herr des Zeichens ist die Sechs auf fünftem Platz. Diese Linie ist leer und zentral und weilt auf geehrter Stelle und ist fähig, die sämtlichen Yangstriche zu besitzen; darum heißt es im Kommentar zur Entscheidung: Das Weiche erhält den geehrten Platz in der großen Mitte, und Obere und Untere entsprechen ihm.
Die Reihenfolge
Durch Gemeinschaft mit Menschen fallen einem die Dinge sicher zu. Darum folgt darauf das Zeichen: der Besitz von Großem.
Vermischte Zeichen
Der Besitz des Großen deutet auf die Menge.
Die beiden Urzeichen Kiën und Li sind beide in aufsteigender Bewegung, ebenso die beiden Kernzeichen Kiën und Dui. Alle diese Umstände sind von durchaus günstiger Bedeutung. Das Zeichen ist noch günstiger als das vorige, dessen Umkehrung es ist, weil der Herr des Zeichens zugleich auf dem maßgebenden fünften Platz ist.
Das Urteil
Der Besitz von Großem: Erhabenes Gelingen!
Kommentar zur Entscheidung
Der Besitz von Großem: das Weiche erhält den geehrten Platz in der großen Mitte, und Obere und Untere entsprechen ihm. Das heißt: Besitz von Großem.
Sein Charakter ist fest und stark und geordnet-klar, findet Entsprechen im Himmel und geht mit der Zeit; darum heißt es: Erhabenes Gelingen!
Das Weiche, das den geehrten Platz bekommt, ist die Sechs auf fünftem Platz. Sie hat die große Mitte im Unterschied zu der Sechs auf zweitem Platz im vorigen Zeichen. Von hier aus ist der Besitz der fünf starken Linien viel besser organisiert. Der Beamte kann zwar die Menschen einigen, aber nur der Fürst kann sie besitzen. Während dort die starken Linien zum Fürsten nur indirekt in Beziehung standen, stehen sie hier direkt in Beziehung. So ergibt sich der Name aus der Gestalt des Zeichens.
Aus den Eigenschaften und der Gestalt werden die Worte des Urteils erläutert. Im Innern wohnt die Festigkeit und Stärke von Kiën, nach außen hin zeigt sich die geordnet-klare Form von Li. Die Sechs auf fünftem Platz, der Herrscher, nach dem sich alles richtet, richtet sich seinerseits bescheiden nach der Neun auf zweitem Platz und findet hier im Zentrum des Himmels Entsprechung. Kiën in seiner Verdoppelung als unteres Halbzeichen und unteres Kernzeichen deutet auf die Zeit in ihrem Verlauf. Bei der Durchführung der Maßregeln handelt es sich, damit sie gelingen, darum, daß fester Entschluß im Innern wohnt, während die Art der Durchführung geordnet und erleuchtet sein muß.
Das Bild
Das Feuer am Himmel oben:
das Bild des Besitzes von Großem.
So hemmt der Edle das Böse und fördert das Gute
und gehorcht so des Himmels gutem Willen.
Die Sonne am Himmel, die alles Irdische bescheint, ist das Bild des großen Besitzes. Die Unterdrückung des Bösen wird angedeutet durch das Zeichen Kiën, das Gerichtszeichen, das das Böse der Wesen bekämpft. Die Förderung des Guten wird angedeutet durch das Zeichen Li, das alles erhellt und ordnet. Beides ist das Verhängnis des gütigen Himmels (Kiën), dem sich der Edle in Gehorsam hingibt (Li = Hingebung).

Die einzelnen Linien

Anfangs eine Neun bedeutet:
  1. Keine Beziehung zu Schädlichem, das ist nicht ein Makel.
    Bleibt man der Schwierigkeit bewußt,
    so bleibt man ohne Makel.
  2. Wenn die Anfangsneun des Besitzes von Großem keine Beziehungen hat, so ist das auch schädlich.

Das obere Zeichen Li bedeutet Waffen und daher Schädliches. Der Anfangsstrich ist von dem Zeichen Li noch weit entfernt, darum ist keine Beziehung dazu vorhanden. Schwierigkeiten sind deswegen da, weil großer Besitz auf niedrigem Platz die Gefahr herbeizieht. Darum ist Vorsicht am Platz. Da der Strich aber stark ist, so ist auch anzunehmen, daß er ohne Makel bleibt.

Neun auf zweitem Platz bedeutet:
  1. Ein großer Wagen zum Beladen.
    Man mag etwas unternehmen. Kein Makel.
  2. Ein großer Wagen zum Beladen.
    Sammeln in der Mitte, so kommt kein Schaden.

Kiën ist das Bild eines Rades und großen Wagens. Die drei Striche des Zeichens sind es, mit denen der Wagen beladen wird. Da Kiën sich stark bewegt, so sind Unternehmungen angedeutet. Die Neun auf zweitem Platz ist fest und zentral und in Beziehung des Entsprechens zum Herrn des Zeichens, daher alles günstig. Während sonst das Sammeln von Schätzen Schaden bringt, ist hier das Sammeln in der Mitte korrekt und zentral. Das bringt keinen Schaden. Es sind nicht irdische, sondern himmlische Schätze, die man sammelt.

Neun auf drittem Platz bedeutet:
  1. Ein Fürst bringt ihn dem Sohn des Himmels dar.
    Ein kleiner Mensch kann das nicht.
  2. Ein Fürst bringt ihn dem Sohn des Himmels dar.
    Ein kleiner Mensch schadet sich.

Der Strich ist stark und korrekt und hat Beziehungen nach oben. Da er dem Zeichen Kiën und dem Kernzeichen Dui angehört, ist er bereit zu opfern. Als an der Spitze des unteren Zeichens stehend, ist er das Bild des Fürsten. Ein kleiner Mensch würde nur aus Gewinnsucht geben, und das gereichte nur zum Schaden.

Neun auf viertem Platz bedeutet:
  1. Er macht einen Unterschied
    zwischen sich und seinem Nächsten.
    Kein Makel.
  2. Er macht einen Unterschied zwischen sich und seinem Nächsten.
    Kein Makel.

    Er ist klar, unterscheidend und verständig.

Die Sechs auf fünftem Platz hat die fünf Yangstriche im Besitz. Die Neun auf viertem Platz ist auf dem Platz des Ministers, so könnte sie den Unterschied zwischen sich und dem Herrscher verwischen und sich den Besitz selbst anmaßen. Aber da sie stark auf schwachem Platz ist, ist sie zu bescheiden dazu, und da sie im Anfang des Zeichens Li ist, hat sie dessen Eigenschaft der klaren Unterscheidung, die solche Verwechslungen von Mein und Dein verhindert.

Sechs auf fünftem Platz bedeutet:
  1. Wessen Wahrheit umgänglich ist und
    doch würdig, der hat Heil.
  2. Wessen Wahrheit umgänglich ist. Durch seine Zuverlässigkeit entfacht er den Willen der andern.
    Das Heil der Würde kommt davon, daß er leicht und ohne Vorkehrungen ist.

Die Sechs auf fünftem Platz ist auf geehrtem Platz. Sie ist bescheiden und wahr, darum bewegt sie die andern Striche zum Vertrauen. Sie ist aber durch ihre Stellung auch imstande, durch ihre Würde zu imponieren; das tut sie aber, weil sie die große Mitte hat, leicht und ohne äußere Vorkehrungen, darum erregt sie keine unangenehmen Gefühle.

Oben eine Neun bedeutet:
  1. Vom Himmel her wird er gesegnet, Heil!
    Nichts, das nicht fördernd ist.
  2. Der obere Platz des Besitzes von Großem hat Heil, das kommt davon, daß er vom Himmel gesegnet wird.

Die fünf Yangstriche sind alle im Besitz von Sechs auf fünftem Platz. Dem fügt sich auch der obere Strich. Kiën und Li sind beide himmlischer Natur, darum heißt es, daß der Himmel ihn segne. In den Erklärungen ist hier wie beim ersten Strich ausdrücklich die Position genannt, um so Anfang und Ende herauszuheben; denn dieses Zeichen ist so günstig organisiert, daß die Bewegung, die zu Anfang einsetzt, am Schluß weder zum Stocken noch zum Umschlag kommt, sondern harmonisch ausklingt.

Richard Wilhelm
I Ging · Das Buch der Wandlungen
Erste Abteilung
© 1998- Schule des Rades
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