Schule des Rades

Wilhelmine Keyserling

Anlage als Weg

XV. Leben im Rad

Philosophische und traditionelle Astrologie

Der Leser, der sich mit den Kriterien dieser Arbeit vertraut gemacht hat, wird früher oder später gewisse Diskrepanzen zur astrologischen Überlieferung feststellen. Daher seien hier die wesentlichsten Abweichungen mit ihren Begründungen angedeutet.

  1. In der Berechnung des Häuserkreises folgen wir der Methode des Placidus. Sie ist heute größtenteils üblich, es gibt aber auch andere Systeme. Der Tierkreis wird räumlich verstanden (12 gleiche Abstände); daher stellt der Häuserkreis den zeitlichen Parameter dar, der den halben Tag- oder Nachtbogen der Sonne in drei zeitlich gleiche Abschnitte gliedert, die in der räumlichen Darstellung des Horoskops je nach Breitengrad und Jahreszeit ungleiche Häuser ergeben.
  2. Die traditionelle Zuordnung der Planeten im Tierkreis geht auf eine Zeit zurück, da die Denkplaneten noch nicht entdeckt waren. Erst in der Wassermannzeit wird das Verhältnis der Neun zur Zwölf die Grundlage des systemischen Verstehens.
    Ptolemäus, dem die bisherige Zuordnung entstammt, sah sich vor die Aufgabe gestellt, die sechs ihm bekannten Planeten in den zwölf Tierkreiszeichen unterzubringen.
  3. Die Bestimmung des Orbis bei den Planeten 10°, bei Sonne und Mond 12°30' und zueinander 15° beruht auf dem Enneagramm und den Dekanaten als Bedeutungseinheiten. In einem Zeichen hat das erste Dekan Empfindungscharakter, das mittlere Denkcharakter und das dritte Fühlcharakter. Die Bedeutung der Zahlen entspricht der Planetenreihung (Enneagramm).
  4. Das philosophische Horoskop ist ein Denkraster und kein Mechanismus. Bedeutungen ändern sich sprunghaft, es gibt keine Übergänge. Entweder ist eine Assoziation möglich oder nicht. Ob ich den Satz: der Mars steht im Quadrat zur Sonne, schnell sage oder langsam, leise oder laut, ändert nichts am Informationsgehalt. Daraus geht hervor, daß auch der Übergang der Sonne oder des Aszendenten sprunghaft ist: 0° Widder bedeutet demnach Widder, ohne daß noch ein bisserl Fisch dabei wäre.
  5. Das will nicht heißen, daß psychologisch oder prognostische Astrologie ebenso wie medizinische sinnlos wäre; sie gehört zum Bereich der Einzelwissenschaften und hat nicht unsere ganzheitliche Zielsetzung. Daher berücksichtigen wir auch keine Progressionen, ebenso keine Aspekte zu Aszendent, MC, Rahu, Ketu und Luzifer.
Wilhelmine Keyserling
Anlage als Weg · 1988
Theorie und Methodik der Astrologie der Wassermannzeit
© 1998- Schule des Rades
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