Schule des Rades

Wilhelmine Keyserling

Anlage als Weg

XII. Das Weltenjahr

I. Krebszeit 8840 - 6680 v. Chr.

Im biblischen Mythos entspricht die Löwezeit dem Zustand des Menschen im Paradies: vollständige Harmonie mit sich selbst und der Natur.

Der Übergang in die Krebszeit ist im Essen vom Baum der Erkenntnis dargestellt; die Kommunion mit dem Tierreich geht verloren; die Triebkraft löst sich von der sinnlichen Wirklichkeit durch das Dazwischentreten der Sprache. Der Mensch verliert die Unschuld, wird aus dem Paradies vertrieben. Es gibt kein Zurück. Er muß seinen Lebensweg mit der Integration der Mondkraft beginnen. Nur über den Schein seiner Vorstellung wird er fortan an die Wurzeln der Wirklichkeit herankommen - und wird seinen Lebenskreis schließen, am Ende der Konstellation Löwe, wenn er als Bewußter wieder der Natur eingegliedert ist, vom Baum des Lebens essen kann.

Das aus dem Paradies vertriebene Menschenpaar stellt hier nicht das erste menschliche Wesen der Erde dar, sondern den ersten Menschen, der Schuld auf sich lädt, und damit historisch zu leben beginnt.

Die bewußte Entwicklung beginnt damit, daß Vater und Mutter zu Eltern werden. Das Kind findet sein Ich, indem es sich mit beiden polarisiert. Eltern, Geschwister und Kinder werden zur Familie; es beginnt die seelische Auseinandersetzung, die Folgen zeitigt.

Wie jeder Mensch die Genese der ganzen Erde in sich trägt, im Mutterleib die Etappen von der Urzelle zur Menschwerdung wiederholt, so trägt er auch die Entfaltung Des Menschen seit Anbeginn in sich, und wird die Phasen der mentalen Entwicklung nachvollziehen müssen, um am Zeitgeist der Gegenwart mitwirken zu können. So bedeutet die Integration dieser Epoche für den Einzelnen die Überwindung der Ödipussituation im Sinne der Psychoanalyse, das Akzeptieren von Wurzel und Stamm in der Fortsetzung der Generationen, das Einbeziehen der Traumwelt.

Die Entfaltung und Ordnung der Einbildungskraft brachte Riten, wie wir sie aus den Höhlenmalereien kennen. Jede Tätigkeit mußte ihren Platz im Vorstellungsrahmen finden.

Unter genauer Leitung und Weisung des Schamanen (Gegenzeichen Steinbock) wird über Zeichen und Omen der Kontakt mit dem Jenseits, den Naturkräften, hergestellt.

Am Ende jeder Epoche wird die eingeschlagene Richtung zum Jenseits unwegsam, das Tor zum DU verschüttet, und alle Bemühungen in der früheren Richtung werden negativ.

So steht am Ende der Krebszeit der Mythos von der Sintflut: die Triebe und Vorstellungen drohen den Keim des Bewußtseins zu überwuchern. Nur durch das Denken (Zwillinge), versinnbildlicht im Bau der Arche Noah, läßt sich die Entwicklung Des Menschen fortsetzen.

Wilhelmine Keyserling
Anlage als Weg · 1988
Theorie und Methodik der Astrologie der Wassermannzeit
© 1998- Schule des Rades
HOMEDas RAD