Schule des Rades

Arnold und Wilhelmine Keyserling

Ars Magna

V. Magie · Das Tor des Südens

Chakras & Schilder

Die Überlieferung der Anrufung findet sich, wenn auch verschlüsselt, in vielen Überlieferungen. Doch die zweite Achse der Hagal-Rune, die Not-Rune, der aus dem Geist über das Denken anhebende Conjurers-Count, wurde geheim gehalten und erst 1981 auf Beschluß der Großväter jenen zugänglich gemacht, die den Mut haben, das entfremdete Bewußtsein zu überwinden.

Am 10. März 1982 erhielt ich einen Brief von den Hopis, ich solle genau auf die Konstellation der Planeten achten, die sich in größter Sonnennähe in einem Raum gleich dem Feld des Gamma befinden. Das letztemal geschah dies 1472: alle Planeten nahmen die Stellung der Untertonreihe, des Conjurers-Count ein, und das bedeutete eine vollständige Wandlung des Weltbildes.

Wir erinnern uns, daß das 15. Jahrhundert eine vollständige Ablösung vom mittelalterlichen Weltbild brachte: das Ende von Byzanz, die Entdeckung Amerikas, die Florentiner Renaissance, die Ablösung der geozentrischen durch die heliozentrische Astronomie, das Ende des Rittertums und der Aufstieg des Bürgertums. Für die Vertreter der Gotik mußte diese Wandlung als totale Zerstörung wirken. Das gleiche gilt für die Gegenwart und der buchhändlerische Erfolg zahlreicher Prophezeiungen kosmischer Katastrophen — die Neuinterpretation des Nostradamus, der Jupitereffekt und dergleichen — zeigt, wie viele Menschen sich ein Ende ersehnen, da sie den Untergang ihres Paradigmas nicht verkraften können.

Mit dieser Wandlung wurde die zweite, nagualische oder weibliche Rolle der Planeten verständlich, nämlich ihr Wesen als Untertöne der Sonne, deren Abstände regelmäßig wachsen. Sie wirken auf die energetischen Umschaltstellen zwischen Nagual und Tonal, Wirbeln im menschlichen Energiefeld, die die indische Tradition als Chakras und die indianische als Lichter bezeichnete.

C h a k r e n - L i c h t e r

In der Anrufung erhebt sich der Mensch auf die Ebene des Angerufenen, um sie zu erfahren. In der Beschwörung versucht er, die Kräfte anzujochen. Punkt zehn, wo beide Runen einander im Hagal als Mitte des Holon treffen, ist der Ort der Sonne, die den Frühlingspunkt des tonalen Rahmens bestimmt. Von dort aus gliedern sich die Planeten nach ihrer Sonnenentfernung und jeder hat eine eigene Bedeutung und Qualität.

  • Das erste, östliche Chakra ist die Teilhabe am Feuer, an der Sexualität: sie wird über den Merkur bewußt. Sein Verständnis bedeutet als hermetische Kunst die Art und Weise, wie die Feuerkraft, die unsterblich ist, den ganzen Organismus alchemistisch vitalisiert. Merkur ist gleichzeitig die Artikulation; das Verstehen der Sexualität, ihre Enttabuisierung ist die Voraussetzung des Eintritts in die nagualische Körperlichkeit. Sein Schwerpunkt ist am Perineum, indisch heißt es Wurzelchakra, Muladhara, und ist der Zugang zur Urkraft.
  • Das zweite, westliche Chakra gehört zur Venus und befindet sich im Bewegungszentrum als Schwerpunkt des Wollens. Venus ist der einzige Planet, der im Tonal und Nagual die gleiche Ziffer hat. Nur auf die Schönheit der Welt bezogen läßt sich das Wollen erwecken, das den Körper anmutig gestaltet. Der indische Name Swaddhistana heißt auf das Eigenwesen bezogen. Die Indianer nennen es das Weg-Chakra, von dem die Kraftlinien ausgehen, die in den nächsten Schritt der Verwirklichung führen.
  • Zum dritten, südlichen Chakra gehört der Mond, der in der Reihe für die Erde als nächster Planet steht. Es ist das seelische Chakra der Verwandlung, des Wachstums, des Strebens, des Wiederfindens von Unschuld und Vertrauen, wenn die Wesenswünsche anerkannt und befriedigt werden. Es befindet sich in Höhe des Nabels. Indisch heißt es Manipura, die Stadt der Juwelen: die Wünsche sind der wahre Reichtum des Menschen; was er unschuldig wünscht, wird er erreichen. Aber auch negative Wünsche verwirklichen sich; wer Katastrophen erwartet, für den treffen sie ein. Nur in positiver Einstellung gibt der Mond Zugang zur Fülle des Wachstums und es liegt an der Entscheidung des Einzelnen, im Vertrauen die Probleme zu lösen. Es steht im Einklang mit der Pflanzenwelt.
  • Das vierte, nördliche Herzchakra bedeutet hinter die Rhythmen zu treten, Anahata. Hier wirkt Mars als Träger aller Initiativen und Strategien, im Einklang mit der Tierwelt; nur durch Besinnung auf die Gliedhaftigkeit des Menschen im Tierreich wirkt sich das Denken förderlich aus. Er findet seine Orientierung im Handeln im Einklang mit den vier Richtungen.
  • Das fünfte Chakra in Halshöhe, Vishuddha, gehört zu den Asteroiden, den Bruchstücken des großen Planeten Luzifer. Seine Fähigkeit ist das Sprechen, im Wort Bestandteile zusammenzufügen. Jedem Menschen auf der Erde entspricht nach indianischer Auffassung einer der Asteroiden und der ganze Gürtel bedeutet die Macht des Magiers, der den Conjurers-Count beherrscht.
    Vishuddha heißt Reinheit: nur wenn das Sprechen echte Kommunion und nicht Rationalisierung und Verbalisierung negativer Emotionen bedeutet, wird dieses Chakra in der südlichen Mitte integriert.
  • Jupiter. Das sechste, geistige Chakra ist das Stirnauge, Ajna, auf indisch Gehorsam. Hier lebt der Mensch historisch, sein Ort ist im Südosten. Nur anknüpfend an das morphogenetische Feld, wie Sheldrake das kollektive Bewußtsein der Gattung bezeichnet oder an die Akasha-Chronik der Theosophen, kann der Mensch seinen eigenen Geist an den großen Geist anschließen.
  • Das siebte Chakra im Nordwesten, Sahasrara, ist das Erleben der Ganzheit des Körpers in seiner Verwurzlung im Energiefeld, dem Genom, nach dessen Schlüssel sich die Zellen bilden. Der siebte Planet ist Saturn, dessen Ganzheit man sowohl im Körper als auch in der Generationenfolge akzeptieren muß. Wird sein Ort, die Spitze des Kopfes, die bei den Kleinkindern als Fontanelle noch nicht geschlossen ist, wieder durchlässig, dann erreicht der Mensch den Zusammenhang mit dem Urlicht und damit die Seligkeit. Nach Überlieferung des Yoga öffnet sich dieses Chakra in dem Augenblick, wo das sechste angejocht wurde.

Jupiter und Saturn schaffen zusammen den 60 jährigen Grundrhythmus der Geschichte, der für die Chinesen der kleinste gemeinsame Nenner historisch wiederkehrender Perioden ist. Auch im persönlichen Leben ist 60 Jahre das hippokratische Alter, wo bei vielen Menschen, die nicht zum Geist durchstoßen, der Abbau der Kräfte beginnt. Denn hier gilt es nun den Leib zu verlassen und die höheren Planeten einzubeziehen, die nicht mehr den Sinnen zugänglich sind, sondern nur noch dem aktiven Denken. Daher kann man im eigentlichen Sinne nicht mehr von Chakras reden, es sind Lichter.

  • Der achte Planet ist Uranus, im Tonal Träger des Werdeganges. Nagualisch bedeutet er das Werden und Vergehen, das Verstehen der eigenen Rolle jenseits des Todes im kosmischen Stoffwechsel, als höheres Fühlen. Dies Licht umgibt den ganzen Körper in wenigen Zentimeter Abstand als Gesundheitsaura; an ihrer Färbung kann der Schamane erkennen, welche Glieder nicht ins Bewußtseinsfeld einbezogen sind und ob der Organismus als Ganzer dem Verfall zustrebt, weil der Mensch den Mut verloren hat.
  • Das neunte Chakra des höheren Empfindens, im Nordosten, dem Neptun zugehörig, ist die Aura, das Energiefeld, das den Bewegungsrahmen des Menschen ausfüllt. Es zeigt vier Schilde:
    • der Mann trägt hinten das Knabenschild,
    • vorne das Mannesschild,
    • in der linken Hand das kleine Mädchen-Schild und
    • in der Rechten das Frauenschild.

    M ä n n e r s c h i l d

    Bei Frauen ist es umgekehrt.

    F r a u e n s c h i l d

    Wenn sie die Darstellung über ihren Kopf halten, von unten betrachten, werden Sie sehen, wie Sie den Reif von oben anziehen, so daß N vorne und O zu ihrer Linken stehen.

    Im eigenen Geschlecht haben beide eine Geschichte, identifizieren sich mit ihrem Leiden; im anderen Geschlecht — der Mann als Mädchen, die Frau als Knabe — gibt es keine Geschichte, und so führt der Einstieg in den Nagual über das Gegengeschlecht im eigenen Wesen. Die nagualische Auswirkung erfolgt beim Mann über sein Frauenschild, bei der Frau wenn sie ihren Mann stellt. Je nach Einstellung kehren Mann und Frau immer andere Schilde dem Mitmenschen zu. Integriert wird dieses Licht, wenn alle vier Schilde die gleiche Größe, Entfaltung und Fülle aufweisen, denn dann wird der Zugang zum magischen Selbst in der Mitte eröffnet.

  • Das zehnte Licht ist das höhere Selbst, die Krone, die als Rad über dem Kopf schwebt und plutonisch, als eigenes Horoskop während der irdischen Existenz, den Ablauf der persönlichen Geschichte regiert.

    Pluto ist mythisch der Herr der Hölle, der Mensch verharrt so lange in ewiger Wiederholung, bis er nicht mehr für sich, sondern für den Nagual existiert, also das Höhere Selbst in eine Brücke zur Vision, zum Jenseits verwandelt.

    Das höhere Selbst entscheidet über alles im Leben, es wird nur zugänglich, wenn das uranische und neptunische Zentrum integriert wurden. Bei der Astrologie erwähnten wir, daß früher die drei Denkplaneten nur als kollektive Krisen verständlich wurden. Das Dreieck des Enneagramms ist bewußt zu integrieren. Nur der Schamane ist dazu imstande, der aus der Fülle von Tonal und Nagual lebt. So beginnt die Initiation zur magischen Existenz mit Anjochung der drei Zeichen, sich für Krankheiten verantwortlich zu wissen und diese wegzugehen, im Sinne des achten Lichtes, dem anderen als mannweibliche Einheit zu begegnen und nicht nach der verlorenen Hälfte zu suchen, im Sinne des Neptun; und sein Dharma als höchste plutonische Möglichkeit zu verwirklichen. Erst dann kommt man ins Wollen, in dem das eigene Zehnerrad mit allen anderen Zehnerrädern in Beziehung tritt; der Weg der wassermännischen Freundschaft, welcher den Anderen gerade als Anderen fördert.

Jenseits des zehnten Chakras sind noch drei Körper oder Aspekte, die nur dem Magier zugänglich sind, aber die jeder potentiell besitzt.

  • In Entsprechung zum Löwen der magnetische Körper als Fähigkeit des Heilens, das luziferische schwarze Loch, das wie früher erwähnt, unser Sonnensystem abschließt, im Anderen zu aktivieren und ihn damit zum Lichtträger zu machen und zur Ganzheit zurückzuführen.
  • Zweitens der Traumkörper, wo die eigene Gestalt für andere führend wird im Sinne der Archetypen, sodaß man in vielen Orten gleichzeitig wirkt und erscheint, wie wenn etwa Paulus erklärte, nicht ich lebe, sondern Christus lebt in mir. Hierzu gehört die Fähigkeit, einen Menschen, der die Hoffnung verlor, zu seinem Weg zurückzuführen. Storm bemerkt hierzu:
    der Arzt heilt das störende Symptom, um den Menschen wieder dem notwendigen Arbeitsprozeß einzugliedern; der Therapeut erweckt die Eigenverantwortung, sodaß man die Krankheit als Gelegenheit zum Mehrwerden versteht; doch der Magier verändert die Zukunft und eröffnet den Weg zur Vision.
    Sein Symbol ist Rahu im Widder, der Drachenkopf.
  • Der letzte Aspekt, der Visionskörper, gehört zum Schützen; sein Symbol ist Ketu, das Gefäß der Inspiration, die aus dem kosmologisch höheren Bereich der Milchstraße kommt.

Niemand gelangt zur Einstellung in den Willen und damit zur Entfaltung der drei unsterblichen Konstituenten des Wesens, der nicht den Tod als Freund, Helfer und Heiler akzeptiert. Wakhantanka, der Große Geist als Ursprung des sakralen Ritus, des Opfers, hat die Zahl 20.

Damit kommen wir zum Schlüssel des magischen Wirkens: was immer 20 ergibt, befähigt den Menschen, die Ganzheit wiederzugewinnen. Hierbei gilt es die Chakras und Planeten der Not-Rune auf die Anrufung der nagualischen Konstituenten der Eh-Rune zu eichen, die imstande sind, die Einseitigkeiten auszugleichen.

Katholisch hieß Häresie Teilwahrheit. Wer nicht nach innen zu den göttlichen Quell und nach außen zu die Fülle will, der wird fremden Geistern zum Opfer, die sich des Eigenwesens bemächtigen und es besessen halten. Wo ich nicht bin, da ist ein anderer. Jede Krankheit ob sie bakteriologisch, als Lähmung oder als Dysfunktion erscheint bedeutet, daß ein Glied oder ein Zellensystem sich verselbständigt hat und einer anderen Entität gehorcht, am offensichtlichsten bei den Krebszellen. Durch Ausrichtung auf den Großen Geist, der über die Zwanzig zugänglich ist, kann die Ganzheit wieder erreicht werden.

Arnold und Wilhelmine Keyserling
Ars Magna · 1982
Kriterien der Offenbarung
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