Schule des Rades

Arnold Keyserling

Atlas des Rades

XII. Himmelsleiter

1. Mond - 29 Tage

M o n dDer Mond gliedert das Sonnen-Erdjahr in zwölf Abschnitte, und spiegelt die Ekliptik oder den Tierkreis, sobald er sich als Vollmond in der Mitte seines Zeichens befindet. Die Erde steht in der Kosmogonie senkrecht zwischen Sonne und Mond, es gibt Sonnen- und Mondfinsternisse, letztere wenn der Erdschatten den Mond verdeckt. Neumond beginnt eine neue Thematik, worauf die islamische und chinesische Zeitrechnung beruht.

Der Mond spiegelt den ganzen Tierkreis. Dieser ist der Mensch im All als Urbild der Menschwerdung. Gott will Mensch werden, und in der klaren Vision, die aus der Leere und Ruhe der Erdmitte stammt, oder aus dem Tiefschlaf im Chakra des Herzens (Anahata), wird der Mensch aus Kausalität und profaner Geschichte befreit, und erlebt die Offenbarung der Verheißung, das heißt er schaut die Neue Erde als konkrete Zukunft, ohne durch die Vergangenheit gehemmt zu sein. In der neuen Löwezeit kommt die Neue Erde auf unseren Planeten.

T a n z · d e s · M o n d e s

Allein der seltsame Attraktor ist das Subjekt, und der zeitliche Aspekt Gottes ist der ewige Augenblick, woraus die Lebenslinie als Wahl erwächst. Auf dieses Bild richtet sich der wahre Glaube. Manche erleben ihn als kosmische Vision, wie im elften Kapitel der Bhagavad Gita, der jüdischen Merkabavision Hesekiels, bei Jakob Böhme oder im chinesischen Reich, das ganz auf Zeit gründete, in der die Regierungsthemen wechselten, also der Kaiser monatlich immer einer anderen Arbeitsgruppe Audienz gab.

In der babylonisch-griechischen Tradition ist die sublunare Welt dem Verderben überantwortet; der Mond ist eine Grenze, die einen wieder auf die Erde zurückschickt in eine neue Inkarnation. Wer aber den Tierkreis verinnerlicht, als Armillarsphäre und sein Horoskop als persönliches Rad erkennt, hat damit das Organ des Gewahrseins geschaffen, die Seinsvernunft im Unterschied zur wissenschaftlichen Erkenntnisvernunft, die ihm immer wieder im Tun den Weg zu Gott zeigt.

Der Mond gibt das Urvertrauen. Damit wird der Tag, der die ganze Erde umfaßt, zum Beginn einer senkrechten Reise, wovon die ersten sieben Stufen dem Farbspektrum des Regenbogens entsprechen. Wer den Regenbogen annimmt, ist nicht mehr durch Rasse, Herkunft oder Besitz gebunden; er schreitet in seinem Wortleib, in seinem Wesen zur zweiten Stufe von Hermes zu Merkur, der das Sonnenjahr in seinem 88tägigen Umlauf in vier Quadranten teilt.

Arnold Keyserling
Atlas des Rades · 1995
Numerologischer Schlüssel des analogen Denkens
© 1998- Schule des Rades
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