Schule des Rades

Arnold Keyserling

Das große Werk der göttlichen Hände

II. Teil:Die rechte Hand der Sonne

8. Uranus

Die menschliche Individualität bildet sich im Abstieg der Inkarnation in der fünften Stufe der Urzelle, wie wir im dritten Kapitel gezeigt haben. Somit sind die höheren Chakras und Energiefelder oberhalb des Individuums und bedeuten Teilnahme am All. Pluto als höheres Selbst ist oberhalb des Kopfes und entscheidet über Leben, Tod und Entfaltung. Neptun ist die Aura, die Fähigkeit, durch sein Schwert andere zu begeistern und mitzureißen. Uranus ist der kinästhetische Körper, dessen Feld nur wenig den Leib überschreitet und den die Parapsychologie als Gesundheitsaura bezeichnet.

Was nicht im Körper bewußt ist, das ist potentiell krank. Sobald es in die Körperganzheit einbezogen wird, steht es dem Großhirn zur Verfügung. Wie der Mond in der linken Hand, so ist der Uranus in der rechten Hand als Mittelfinger entscheidend. Persönlich bedeutet er das Verstehen des Horoskops, also der Astrologie, kollektiv dagegen die Vorstellung des Reichs jenseits der völkischen Identitäten. Das tausendjährige Reich war die Regel; sowohl Westrom als auch Byzanz und das Heilige Römische Reich Deutscher Nation umfaßten zwölf Uranusumläufe, das letztere von 800 bis 1806.

Alle Kulturen kommen aus menschlichen Entwicklungen. Das chinesische Reich galt genauso als Verbindung zwischen Himmel und Erde wie das römische.

Wie nun in der Fischezeit das Überleben jener, die ausersehen waren, eine neptunische Verantwortung zu tragen, durch ein Lehen gewährleistet wurde, und dieses heute über die Erkenntnis des eigenen Schwertes als Arbeiter ohne Abhängigkeit von anderen zu vollziehen ist, wird auch das heilige Reich nicht mehr im Raum, sondern in der Zeit verankert. Alle bisherigen Kulturen hatten nur Ausschnitte des menschlichen Potentials verwirklicht. Wird Uranus als der Nährende erkannt, dann zeigt sich das Reich als die Kommunion der Menschen, die guten Willens sind und die Riten des Erdheiligtums vollziehen.

Pluto steht astrologisch mit Luzifer in Ergänzung, der Meisterung; Neptun mit Rahu, der Persönlichkeitswerdung und Uranus mit Ketu, der Offenbarung des Weges im Schützen durch die Engel. Diese zeigen auf Fragen den Weg, sie sind dem griechischen Wortsinn nach Botschafter, lateinisch als rationes seminales, schöpferische Urgründe, die in jedem Augenblick zugänglich werden. In der Kindheit offenbaren sie sich als Schutzengel. Doch sobald der Eigenwille erwacht wird es notwendig, die Frage nach der Aufgabe von Moment zu Moment neu zu stellen.

Im Augenblick des ersten Atemzuges, dem Erwachen des Swaddhistana-Chakras, werden die neun Planeten, die Sonne und der Häuserkreis im Tierkreis in einer bestimmten Lage fixiert. Die linke Hand zeigt den Tierkreis, die rechte den Häuserkreis; beide zeigen zusammen den ursprünglichen Raster des raum-zeitlichen Daseins.

Neptunisch habe ich nur ein Schwert der neun, aber ich muß in der Menschheit alle anderen als gleichberechtigt anerkennen. Das Horoskop zeigt mir im Lebenskreis, zu welchen Zeiten und Konstellationen bestimmte Komponenten einrasten und wie ich auf verschiedene Impulse reagieren kann. Ich muß alle Planeten, Zeichen und Impulse begreifen, um aus meiner Mitte heraus zu leben. Das Ich wandert als Aszendent im Siebenjahreszyklus im Häuserkreis, der den Tierkreis in einem bestimmten Verhältnis schneidet. Die sieben Jahre wiederholen die sieben Stufen vom Empfinden bis zum Geist. So ist das uranische Leben ein stetes Reicherwerden an Wissen. Der kulturelle Aspekt des Uranus ist Wohlstand und Wirtschaft, weil die Ernährung nicht nur den Körper, sondern auch Seele und Körper einbegreift. Daher kann man über das Horoskop in Zusammenhang mit den Linien der Hand der uranische Ort ist die Handwurzel im Nordwesten jeweils bestimmen, welches der nächste Schritt sein kann.

Die Elementegruppe des Uranus ist die magnetische Eisengruppe, Grundlage der technologischen Energieerzeugung und Kommunikation. So ist die technische Welt kein Gegensatz der neuen Geistigkeit; im Gegenteil, sie bildet die Voraussetzung, daß echte Gleichheit entstehen kann, von der aus der geistige Werdegang zur persönlichen unverwechselbaren Qualität anheben kann.

In der mittelalterlichen Darstellung der achten Stufe des Großen Werkes liegt der Hermaphrodit nach dem Verlassen der Seele im Grab. Doch das Wasser, welches in den Bildern der linken Hand König und Königin von unten getragen hatte, kommt jetzt als heiliger Tau von oben. Dies erinnert an das Ende des Schöpfungsmythos der Navahos der folgendermaßen lautet: Und wenn du erlebst, wie der Tau gegen Morgen die Erde befruchtet, dann wisse, daß Erster Mann und Erste Frau sich als Himmel und Erde miteinander vereinen, um allem Leben Fruchtbarkeit zu schenken.

Arnold Keyserling
Das große Werk der göttlichen Hände · 1986
II. Teil:Die rechte Hand der Sonne
© 1998- Schule des Rades
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