Schule des Rades

Arnold Keyserling

Das große Werk der göttlichen Hände

III. Teil:Entschleierung des Göttlichen

Urmacht der Eins — Feuer

Ich bin der Ursprung alles Wesenden und Seienden. Hättest du nicht teil an mir, könntest du weder leben noch wirken. Ich vereine Licht und Kraft. Aus der Kraft schöpfe ich meine Einzigkeit, aus dem Licht stehe ich zu allen in Beziehung. Das Feuer der Liebe ist auch der Ursprung alles Neuen. Verachte nie ein Feuer, wenn du es siehst. Denn solange es brennt — auch wenn du es selbst entfacht hast — ist ein Wesen bei dir.

Deinem eigenen Wesen kann Feuer nie schaden. Dein Sinneskörper, mit dem du hier und auf der neuen Erde bist — wobei du dich nur umstülpen mußt, um das andere Gewahrsein zu erreichen — ist Feuer, ob es nun Totes verbrennt oder Leben schafft.

Das Feuer ist der Urgrund der liebenden Vereinigung. Die beiden ungreifbaren Mächte Urlicht und Urkraft, Wirkgrund von Mann und Frau, bleiben deine Helfer durch das ganze Dasein. Du lebst nur durch ihre Liebe. Sie erzeugen dich ohne Unterlaß.

Die Wurzel des Feuers ist dunkel, doch die Flamme strebt immer empor, sie kann nicht anders. So strebt auch die Liebe immer empor, sie kann nur fördern. So ist deine Grundstimmung niemals falsch und traurig. Wenn du das Große Werk beginnst, dann verläßt dich das Feuer nicht.

Alle Angst kommt vom Verbergen der Flamme, weil du dann glaubst, du seiest eine Schlacke oder eine Zwischenstufe. Hinunter mußt du zu ihr, denn nur sie ist fähig zu strahlen, Licht zu schaffen.

Wer nicht in Inbrunst, im Brennen lebt — Brennen der Liebe und Brennen der Begeisterung — kann weder leuchten noch strahlen. Das Strahlen allein läßt ihn anderen wirklich nützlich sein, sie auf ihrem Weg zu erleuchten.

Erleuchtung bedeutet, seine Leere zu realisieren; denn das Schwarze ist der Ursprung des Feuers. Feuer ist in der Erde, Feuer ist in der Sonne. Sonnenfeuer und Erdenfeuer vereint schaffen die Wesen. So wirkt Urlicht über die Sonne, strahlt ohne Ansehen der Person, und Urkraft faßt aus dem Licht genau so viel, wie sein Schwarz aufnehmen kann. Erst dann beginnt die Spezifizierung, die Vereinzelung in Farben und Stoffe.

So reicht auch das Sehen in alle Welten; es gibt keine Ecke, um die du nicht schauen kannst. Das Licht hält alles zusammen, doch die Wesen stehen einander als unterscheidbare Qualitäten gegenüber. Achte ihre Qualität, damit dein Feuer durchscheint.

Feuer kennt keinen Tod, der Sehende wird nie den Zugang zum Menschen im All verlieren. Das Feuer heilt. Und wenn es deinen Körper verläßt, dann bleibt es in deinem Lichtleib, bis dieser sich wieder im Kraftleib inkarniert. Aber erst dann, wenn das Feuer nicht mehr aus dem Verbrennen der Stoffe, sondern aus der kosmischen Energie gespeist ist, weißt du wirklich, wer und was du bist.

In der liebenden Vereinigung mit anderen Körpern bricht das Feuer durch und verbrennt alle Schlacken. Selbst die kleine Seligkeit ist Tod zur Erneuerung. Die große Seligkeit ist Einstimmung in die Wellen des Verzehrens. Verzehren und verzehrt werden ist höchste Lust. Es ist der Prozeß der Wandlung, der euch zu höherer Einheit zusammenfügt. Darum ist Feuer die große Heilung, die aus Kraft und Licht Worte schafft. So sprach auch Gott zu MOSES im brennenden Dornbusch, und die Apostel erlebten die feurigen Zungen zu Pfingsten auf ihren Köpfen, als sie aller Sprachen mächtig wurden.

Arnold Keyserling
Das große Werk der göttlichen Hände · 1986
III. Teil:Entschleierung des Göttlichen
© 1998- Schule des Rades
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