Schule des Rades

Wilhelmine Keyserling

Das Nichts im Etwas

Vijnana Bhairava Tantra

Urkraft - Fülle

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Im Glücksgefühl sinnlicher Freude
das Denken gestillt —
mit solcher Freude eins
wird sie zur Seligkeit.
50
Dort wo Gedanken Befriedigung finden,
verweile!
denn dort entspringt die Seligkeit.
51
Wenn den Sinnen
die Grenze von Wachen und Schlaf faßbar wird,
Offenbart sich die Urkraft.
52
Im lichtgefleckten Schattenspiel
verliert das Auge seinen Halt
und die Bewußtheit
fällt ins Sein zurück.
53
Die ganze Kraft geballt
in einer einzigen Haltung —
der Ruhe des Todes
dem Zorn
in der Betrachtung eines Gegenstands
dem stetigen Bewegungsfluß
oder in kontinuierlichem Besinnen
auf die Allgegenwart des Äther —
führt in die innigste Verschmelzung
mit der unsagbaren Seligkeit.
54
Von einem weichen Sitz getragen,
die Glieder ungestützt
entschwebt der Geist
in die erhabene Fülle.
55
In bequemer Haltung
die Arme auf der Brust gekreuzt
die Hände in die Achselhöhlen gepreßt
sammelt er sich in Ruhe.
56
Den Blick in regungslosem Trachten
jedweder Form in Gänze zugewandt
verliert das Denken seinen Halt.
Schauendem-Geschautem
wird das Unerschöpfliche!
Wilhelmine Keyserling
Das Nichts im Etwas · 1984
Mystik der Wassermannzeit
© 1998- Schule des Rades
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