Schule des Rades

Wilhelmine Keyserling

Das Nichts im Etwas

Vijnana Bhairava Tantra

Urlicht - Erleuchtung

97
Das Sinnen einem Ding
in Gänze zugewandt
taucht alles andere in Leere.
Dieser Leere innewerden
bringt den Frieden.
98
Jene Reinheit
von der Unwissende künden,
im Lichte des Urlichts:
nichts als Schmutz!
Nur in der Überwindung der Gezweiung:
Seligkeit.
99
Die Wirklichkeit des Unerschöpflichen
ist überall!
Auch im Gewöhnlichen, Gemeinen.
Wer dessen innewird
erlangt den Zustand
ohne Gezweiung.
100
Gleichseiend
ob Freund, ob Feind;
gleichbleibend
geehrt, verachtet —
im vollständigen Grund.
Wer das verstanden hat, sei freudig.
101
Niemanden mit Haß bedenken!
Keinem anhangen!
denn im Zwischen
schleicht sich ein das
unerschöpflich Unbegrenzte.
102
Besinn Dich
auf das Ungreifbare-Niegekannte-
Leere-Ungewordne.
Erfaß das Unfaßbare
als Bhairava-Urgrund-Seligkeit:
Dein Sinnen mündet in Erleuchtung.
103
Richte Dein ganzes Sinnen
auf den unendlichen Raum
ohne Stützen, leer,
allesdurchdringend,
ungeteilt.
Lös’ Dich auf
im Nichtraum.
104
Wohin sich auch das Denken wende,
mittels der Denkkraft
in Umkehr
jenen Gegenstand spurlos verlassen;
das Selbst an seine Stelle setzen!
So wird das Wallen, Wogen stillgestellt.
Wilhelmine Keyserling
Das Nichts im Etwas · 1984
Mystik der Wassermannzeit
© 1998- Schule des Rades
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