Schule des Rades

Arnold Keyserling

Urreligion Astrologie

12. Luzifer - Sonne

Heliozentrische Weltbild

Die heliozentrische Hypothese war bereits von der pythagoräischen Schule vertreten worden, und Hipparchos berechnete die Präzession, des Frühlingspunktes im Weltenjahr, die wie wir schilderten, bis heute noch den Hintergrund aller vorschriftlichen Traditionen bildet.

Kopernikus erklärte: die Bahnen der Planeten mit ihren Epizyklen lassen sich viel leichter berechnen, wenn man anstatt die Erde in ihre Mitte zu setzen, die Sonne als Mitte von kreisförmigen Bahnen betrachtet, und damit durch die Parallaxe die Rückläufigkeit ihrer Rätselhaftigkeit entkleidet. Sie erscheint, wenn die Erde auf der einen Seite der Sonne ist, der rückläufige Planet auf der anderen. Durch die Wechselbeziehung der Kreisläufe entsteht die scheinbare Rückläufigkeit, die für den sinnlichen Betrachter als Lichtquelle real ist.

Der Kreis als ideale Form mußte von Kepler aufgegeben werden. Kopernikus, selbst katholischer Priester, hatte seine Methode als sinnvolle Hypothese im wissenschaftlichen Sinn vertreten, nicht als absolute Wahrheit, die nur die Religion in der Heilsgeschichte lehrt. Kepler erkannte, daß die Berechnung der Bahnen verlangt, nicht die Mitte der Sonne als Zentrum zu betrachten, sondern Sonne und Planeten kreisen um einen gemeinsamen Schwerpunkt. Die Bahnen sind daher Ellipsen, deren einer Schwerpunkt bei der Erde die Sonnenmitte ist. So ließen sich die Planetenbahnen durch die keplerschen Gesetze genau bestimmen. Zwar glaubte er noch an den Sinn der Astrologie, erstellte selbst das Horoskop von Wallenstein, aber er suchte die Harmonie der Sphären. Er kam zu dem sich später als irrig erweisenden Schluß, daß die fünf platonischen Körper genau die Umlaufbahnen umgrenzen, was sich dann mit den elliptischen Bahnen als ungenau herausstellte.

Mit Galileis Berechnung der Schwerkraft, den newtonschen Prinzipien von absoluter Zeit und Raum, von Masse und Energie, trat langsam der Rationalismus, der Glaube an die Naturgesetze an die Stelle des Glaubens an einen allmächtigen willkürlichen Gott, der aus einer Projektion des irdischen Königs auf den Volksgott entstanden war. Als nun Giordano Bruno in Nachfolge des Cusanus das Sonnensystem selbst als kleinen Ausschnitt des unendlichen Weltalls bestimmte, wurde der Zwiespalt zwischen der biblisch antiken Auffassung und den naturwissenschaftlichen Entdeckungen zu groß. Galilei wies nach, daß nicht nur die Erde einen Mond, sondern auch Jupiter Monde habe, und daß die keplerschen Gesetze im ganzen Universum gültig sind. Die Zahl, Kriterium der vorschriftlichen Tradition kehrte als Quantität zurück. Galileis Wissenschaft war die Vereinigung von zwei Methoden — metodo compositivo und metodo risolutivo, später die Zweiheit von Synthese und Analyse, Geometrie und Arithmetik. Die Welt hat als Basis die Naturgesetze und letzte Elemente, die reduktionistisch zu erfassen sind. Immer mehr Wissensgebiete lösten sich aus der Philosophie und Theologie, und Laplace erklärte dann am Höhepunkt der Aufklärung von Napoleon über den Ort Gottes befragt: Sire, ich brauche diese Hypothese nicht.

Während der Verdunklung der Astrologie, die bis in die Gegenwart anhält, gab es geniale und tüchtige Astrologen, wie Cardanus, Placidus, Regiomontanus, die das Werkzeug der Horoskopstellung verfeinerten, die Beziehung von Erde oder Raum zu den Zeitrhythmen klärten, wenn auch noch unter der Voraussetzung der Dualität von gut und böse, Gott und Teufel.

Mit Galilei wurde wie später von Locke die sinnlichen Qualitäten von Auge, Ohr, Geruch und Geschmack aus der Wissenschaft entfernt. Nur Maß und Zahl und die Daten der Schwerkraft, also des Tastsinnes waren primäre Qualitäten, konnten also zur objektiven Wahrheit führen, die Gegebenheiten der anderen Sinne wurden als subjektive Meinung entwertet. Das Subjekt selbst wurde aus der Wissenschaftlichkeit vertrieben, die Qualität der Zahlen, die Numerologie als Aberglauben verpönt. Erst seit dem Beginn der ganzheitlichen Betrachtung in den letzten Jahrzehnten ist man von der Vorstellung einer objektiven Wahrheit abgerückt; naturwissenschaftlich gibt es nur subjektive oder intersubjektive Wahrheit.

Arnold Keyserling
Urreligion Astrologie · 1996
Enneagramm und Himmelsleiter aus der Sicht des Rades
© 1998- Schule des Rades
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