Schule des Rades

Wilhelmine Keyserling

Die kosmische Flöte und die Himmelsleiter

Eine Betrachtung für Freunde,
die sich schon mit dem Rad beschäftigt haben

Die sieben Chakras in uns sind Potentialitäten, die einerseits das 12-fältige Weltfeld (Tierkreis) und unser zwölffältiges Wirkfeld (Häuserkreis) zeugen, sich andererseits in der 9 zu Wirkkräften des Ich verbinden, in Korrespondenz zu den Planeten. Jede dieser 9 Aktualisierungskräfte hat im Welt- und Wirkfeld und in seinen Wechselwirkungen mit anderen der weiteren acht Kräften eine Spanne des Geschehens, die zwischen Leben und Tod, gut und böse, Positives und Negatives bewirkt. Um diese 9 vielseitigen Aktualisierer des Ich einigermaßen zu steuern, greifen wir auf die 7 Urheber zurück, die sich als Ursprung der 9, eben als Potentialitäten jenseits von Leben und Tod, von gut und böse, in der Achse des Selbst befinden. Wir lösen damit die 9 Begriffspaare der Aktualisierer in 4 Funktionen und 3 Bereiche auf, um aus ihrer Verbindung jene 9 aufs neue erstehen zu lassen, die zeitgeborenen Identifikationen dieser Wirkweisen zu lösen. Wir greifen also auf die zeitlosen konstituierenden Komponenten des Welt- und Wirkfelds sowie unseres Bewußtseins zurück, die in den Chakras im Nichts der Wahrnehmung (1), dem Nichts des Denkens (2), Fühlens (3) etc. liegen, der Leere, aus der Erneuerung entsteht. Dies ist die Erneuerungsfunktion der kosmischen Flöte, der 7 Chakras in Beziehung zum Wirkfeld vor uns.

Das Orten, Gewahrwerden und Verbinden der 7 Potentialitäten, wie es im indischen Yoga vielfach meditiert wird, dient aber auch der Selbstwerdung, das heißt, dem Herstellen der energetischen Ganzheit des Menschen zwischen Kraftpol (Muladhara) und Lichtpol (Sahasrara).

Die Chakras sind in Beziehung zu vorne die potentiellen Urgründe des Bewußtseins, in der Senkrechte, als kosmische Flöte sind sie die potentiellen Urgründe unseres Gewahrseins, das im Selbst wurzelt.

C H A K R A S

Die Darstellung der senkrechten Achse als Mitte eines Wagenrades, die wir des öfteren verwendet haben, macht die Dreiheit des Gemüts als Materie-Energie-Information verständlich. Hier ist das Ichfeld als sich drehendes Rad veranschaulicht — wie wir es aus dem Horoskop kennen — und das Selbst als Nabe, die ruhende Mitte umschließend. Die Verbindung von Selbst und Ich zum Wesen des Menschen wird durch die Speichen nahegelegt. Das uns unbekannte Selbst, das sich mit dem Ichwerkzeug verbinden soll, wird im Gewahrwerden der Potentialitäten gestärkt und bewußt einbezogen.

Aber gehen wir zurück zur kosmischen Flöte und unterscheiden das Verhältnis des Menschen zum Zeitaspekt und zum Raumaspekt seiner Welt. Aus diesem Blickpunkt wird das Wirkfeld vor uns liegen, während das unendliche Raumfeld uns von rückwärts trägt. Hier sind die Chakras Empfangsstationen des Subjekts Mensch. Was kommt uns aus dem Raum zu? Wir müssen uns bewußt machen: so wie Zeit Qualität ist und nicht hat, ist Raum in seiner Gänze in Beziehung zur Erde Qualität. Osten ist in seiner Eigenart anders als Westen.

Der unendliche Raum als Urgrund ist freilich in seiner Leere homogen; überall das Nichts, das allem zugrundeliegt, eigenschaftslos, nullhaft. Nur durch die meßbare Bewegung der Erde und Sonne entstehen Zahl, Maß und Eigenart ihrer Beziehung zum Unendlichen.

Im Zeitkreis unterscheiden wir 12 Qualitäten, im Raumquadrat der Himmelsrichtungen können wir uns 8 verschiedenen Einflüssen öffnen, oben und unten, Himmel und Erde einschließlich sind es 10 Richtungen.

Wenn wir uns auf die Richtungen einstimmen, werden sie für uns zu powers, zu Mächten, zu unterstützenden Wesenheiten. Dazu müssen wir die Unsichtbaren, wie es alle Religionen seit eh und je getan haben, zur Kenntnis nehmen, anrufen, rufen, einladen, wie Gäste, die sich nicht ungebeten bemerkbar machen.

Als Raumträger haben die 0 plus 7 Urgründe des Bewußtseins und Gewahrseins einen anderen Zahlenschlüssel als jener, der den Chakras zugrundeliegt. Wir können die den Raumzahlen zugehörigen Begriffe am Rad ablesen:

Z O D I A K

1 – Gewahrsein, 2 – wollen, 3 – Seele, 4 – denken, 5 – Mitte, 6 – Geist, 7 – Körper, 8 – fühlen, 9 – empfinden, 10 – Mitte.

Sie sind der Zugang der Raummächte zum Selbst, und mit diesen verbunden erhalten sie eine fördernde Kraft, die sich der potentiellen Eigenart des jeweiligen Chakras einverleibend, im Wirkfeld des Menschen äußert.

  • Im Osten begegnen wir der 1 als Macht des schöpferischen Gewahrseins, der Erneuerung und Erleuchtung, die uns im Muladhara zukommt.
  • Im Westen begegnen wir der 2, der Macht des Lassens und Einstehens über das Wollen im Swaddhistana.
  • 3, die Macht des Südens, der Unschuld und des Vertrauens, verbindet sich als Seelenkraft mit der Potentialität des Fühlens im Manipura.
  • In der 4 des Nordens kommt uns im Anahata die Macht der Weisheit zu, über ein Denken, das aus der Mitte des Denkbaren die Gesamtheit der Situation erfaßt.
  • Die Zahl 5 als Mitte der vier Hauptrichtungen bezeichnet den Menschen selbst, der sich der Kraft der Erde und des Himmels öffnet. Er steht zu sich im Vishuddha; sendet seine Stimme ins All.
  • 6, die Macht des Südostens verbindet uns im Ajna mit der geistigen Gemeinschaft der Ahnen, der Wegbereiter der Menschheit., während wir
  • in 7, Sahasrara, dem Südwesten von den Elementarkräften, Feuer, Erde, Wasser, Luft, personifiziert als Elfen, Trolle, Feen und Zwerge Unterstützung im körperlichen Tun finden.

Mit diesen sieben Schritten des Raumgewahrseins folgen wir dem Aufstieg der Chakras, der im Sahasrara als Visionsebene Erfüllung in der geistigen Schau erlangt. In der indischen Metaphysik war er als persönlicher Erlösungsweg bedeutsam.

  • Als aufrecht schreitender Mensch der Wassermannzeit, im Mitwirken an der Welt, müssen wir in 8, dem Nordwesten, wieder hinunter in das Chakra in den Knien, um im Fühlen die Engel und kosmischen Helfer um Beistand zu bitten,
  • und in 9, dem Nordosten, im Kraftfeld in den Fußgelenken, im wirkenden Empfinden als Gestaltungskraft, die Erzwesen der Fülle um Inspiration im Tun zu bitten, auf dass wir Mitwirkende am WERK werden.
  • Mit 10, dem höheren Selbst entsprechend, sind wir wieder in der Mitte. Während die 5 den Menschen in Beziehung zu Erde und Himmel darstellt, birgt die 10 seine Aufgabe in Beziehung zu Himmel und Erde.

Die Vereinigung der Qualitäten, die uns aus dem Raum zukommen mit den 7 Potenzen, die unseren Wirkkräften zugrundeliegen, habe ich schon oft beschrieben, und entschuldige mich bei den Freunden, wenn ich mich wiederhole. Ich beschäftige mich immer wieder gern damit, weil ich merke, dass mir da und dort etwas klarer wird, zum lebendigen Verständnis verhilft.

Betrachten wir nun die Himmelsleiter der Planetengeister im Leerefeld des Raumes. Im Nordost-Fest 1992 wurde uns in der Botschaft nahegelegt, uns mit diesem Aspekt der Planetengeister zu befassen.

Dienstag, 5. Mai 1992 · 08:08 MEZ
Wie können wir uns auf das Nordost-Fest im Sonnenjahr 1992 einstellen und es feiern?

Betrübt euch nicht. Mit der Entlarvung des falschen Bösen ist der Weg frei für die Verwirklichung des Einzelnen. Jeder betrachte, was seine augenblickliche Lage ist, dann suche er sich in Erinnerung an das letzte Fest eine Farbe aus; es können die selben Gläser vom letzten Mal verwendet werden. Diese Farbe, entschlüsselt durch das Rad, zeigt ihm, wo der Ansatz seines Lebensstils im kommenden Jahrzehnt als Mitwirkender am Werk sein wird.

Zum Beginn am Feuer wieder die Farben. Jeder sucht sich dort eine aus, nicht vorher. ARNOLD erklärt die Bedeutung. Dann geht jeder in sich. Er läßt alle Vorstellungen, die er über sein praktisches Leben hat, fallen, und sucht nun zu begreifen, wie er aus dem Inbegriff der Farbe sein Zentrum des Lebensstils finden kann.

Das Fest ist nicht persönlich, sondern für die ganze Erde. Euer Ritus in der Blockhaide hat alle Kräfte befreit, die aber auch den Helfern des Erdheiligtums offen sind. Beim Hinaufgehen ins Erdheiligtum überlegt sich der Einzelne, wie er die gewählte Farbe und Stimmung zum Ansatz seines künftigen Weges machen kann.

Es wäre schön, auch um den Kreis viele farbige Papiere zu haben, so daß das Heiligtum von Farben gleichsam überdeckt ist. Farben gibt es nicht in der Materie, sie sind das Licht des Kontakts. Ihr könnt nur am Werk mitwirken, wenn ihr jeden Schritt von der Farbe angeht. In dieser Anrufung vereinen sich die Planetensphären 13 mit den Richtungen. Alle erklimmen die Sphäre bis zum Himmel, und die Planetengeister helfen ihnen.

Bei jedem Schritt gilt es, die kosmische Bedeutung des Impulses zu integrieren und beim Trommeln Zeit genug lassen, daß die Vorstellung sich fixiert. Unten nach einem gemeinsamen Mahl, welches das Gefühl anjocht, soll jeder seinen Freunden erzählen, was für eine Farbe er gewählt hat.

Willy als Erdpriesterin soll sich in den nächsten Wochen ein Gedicht, einen Spruch eingeben lassen, der die Wahrheit des Augenblicks für alle erhellt. Alle Wesen im Himmel freuen sich, daß durch euch die Schlacken weichen, und jeder der teilnimmt gleichgültig seines Verständnisses oder seines Glaubens in den Sog des Kommenden aufgesogen wird.

Doch das gemeinsame Mahl ist wichtig, nicht nur um der Kommunion mit der Erde willen, sondern auch mit den Kräften des Neuen, wie immer ihr sie versteht. Dann im Trommeln und Tanzen soll euer Körper das Verstandene integrieren, es zur zweiten Natur machen, zum Ansatz seines Werkleibes, der bereits auf dieser Erde Teil der neuen ist.

Die Planetensphären als Himmelsleiter sind nur in Beziehung zu den Himmelsrichtungen und den Chakras als Empfangsstationen dieser Mächte (oder Kräfte) relevant.

Nicht um die Planeten als materielle Wirklichkeit geht es hier; sondern um ihre unsichtbaren Bahnen, die Zeitabläufe (nicht der Vogel, sondern der Vogelflug ist zu erfahren). Die Erde ist der Ausgangspunkt, die Basis unserer Erfahrung. Die Mondzeit ist der Rhythmus, der uns Irdische betrifft; dann kommt der schnelle Merkur, dann erst die Venus und Sonne etc.

Es geht hier nicht um die Planeten in ihrer materiellen Wirklichkeit. Die unsichtbaren Spuren der Planeten sind Zeit(Raum)maße — hinterlassen — aus der Bewegung von Materie und Energie hervorgerufen; aus Ereignissen in Raum und Zeit erfolgt. Die Spuren selbst sind zeitlos — in die Ewigkeit geschrieben. Sie gehören zur Akasha-Chronik. Sie sind Raum-Zeit-Verhältnisse, jenseits von unserer raum-zeitlichen Aktualität. Unwandelbar bergen sie Vergangenheit und Zukunft als Wesen der Bewegung, verlieren aber nicht ihre Identität, ihre Eigenart. Die unsichtbaren Spuren eines Spatzen bergen seine Spatzigkeit, sind verschieden von jenen des Adlers.

Diese Raum-Zeit-Verhältnisse, sind sie nicht eine Art der Formel mit Identität und damit Subjekthaftigkeit, auf einer uns nicht greifbaren aber dennoch wirksamen Ebene? Hat jeder Zahlenschlüssel eine bestimmte potentielle Wirkkraft?

Sind diese Bewegungsformeln potentielle Beweger, deren Wirkung wir unter Umständen empfangen können?

So können wir im ganzheitlichen Zustand des Gewahrseins, der diesseits und jenseits einschließt, wie es im Ritus, in der Meditation oder Todesgefahr vorkommt, in 1, Muladhara, an die Visions- das heißt Vorstellungskraft der Mondlichkeit geraten, 2, im Swaddhistana die genaue Bestimmung der Merkuridentität erfahren, 3, im Manipura den gestaltverleihenden Geist der Venus empfangen, 4, im Anahata an der sonnenhaften Strahlkraft teilhaben. So kann 5, die Initiative der Marsbewegung im Vishuddha zur Selbstwerdung führen — wer bin ich — ich bin — Ramana Maharshi. Der Geist des Jupiter, 6, wird uns im Ajna den Zusammenhang mit sichtbaren und unsichtbaren Wesen wie z. B. den Ahnen eröffnen. 7, die saturnische Art der Meisterung der Umstände wird diese im Lebensspiel einbeziehen. 8 — So mag uns das Uranische tiefere Erkenntnis vermitteln; das Empfangsgerät Chakra ist in den Knien, und 9, das Neptunische (Fußgelenke) das Zusammenwirken in Gemeinsamkeit ermöglichen, während 10, die plutonische Wesenheit über das höhere Selbst, die Teilnahme am Ganzen, am Werk, als mögliche Aufgabe vermittelt.

Die mögliche Wirkweise der Planetenbahnen als unsichtbare Spuren, als Formeln ihrer Raum-Zeit-Aktualität ist uns nicht fremd, seit der Entdeckung der homöopathischen Wirkkraft der Information, die eine verschwindende Quantität von Materie verwandelt und auf einer anderen Ebene zum Beweger macht.

Und wie steht es mit den Verschiedenen (Gestorbenen)? Wenn ich mich zum Beispiel mit Gurdjieff in Beziehung setze, habe ich bestimmte Vorstellungen. Aber dieser Gurdjieff, den ich meine, kann mich nicht unterstützen; vielmehr seine raum- und zeitlos gewordene energetische Eigenart, die Formel seiner Identität, seiner Hinterlassenschaft. Kann man diese Formel verehren, lieben? Freilich! Sie ist Identität und damit subjekthaft auf einer uns nicht faßbaren Ebene. Und wenn wir Gottfried von Einems Gespräche mit Lotte berücksichtigen, mögen wir uns vorstellen, dass Identität des Subjekts auf einer anderen Ebene etwas nur bedingt Bestehendes darstellt, als Basis weiterer Verwandlung, dass alles in allen Kosmen im Fließen, im Werden ist. — Das mag den Menschen, lebend und tot in allen Kosmen betreffen.

Aber gehen wir zurück zu den Planetenbahnen als Himmelsleiter. Vielleicht erinnern Sie sich an Situationen, wo Ihnen eine Fähigkeit, eine Sicht, Ahnung, Kraft, Begabung zukam, die über Ihre persönliche Horoskopstruktur hinausreichte. Da haben Sie unbewußt in Ihrer Ganzheit Zugang zur Himmelsleiter gehabt. Von rückwärts werden wir unbewußt getragen. Nach vorne, im Wirkfeld, müssen wir Möglichkeiten, Notwendigkeiten, Freuden und Schwierigkeiten bewußt begegnen.

Wilhelmine Keyserling
Die kosmische Flöte und die Himmelsleiter · 1998
© 1998- Schule des Rades
HOMEDas RAD