Schule des Rades

Arnold Keyserling

Klaviatur der Kreativität

Das Meisterspiel

Die Zahlen des Lambdoma entsprechen den neun Planeten und der Sonne. So haben wir quantitativ die Bestimmung und Begrenzung der Qualia, und damit den Schlüssel zur Kreativität des Gewahrseins.

Die Qualia sind in der Tafel der vierzig Kennworte dargestellt. Von oben hinunter sind es immer zehn. Hierbei ist die 10 in den vier Rubriken die Grenze und der Zugang zum Göttlichen.

Tafel der vierzig Kennworte — Qualia
EmpfindenDenkenFühlenWollen
Erde
Luft
Wasser
Feuer
MaterieBewusstseinEnergieSelbstorganisation
1heilenJupiteranschauenJupiterGrund-
vertrauen
MondOsten
Feuer-Vision
Mond
2gestaltenVenusbegreifenVenusAnpassungVenusWesten
Mineral
Merkur
3erkennenUranuslernenUranusInbildJupiterSüden
Pflanzen
Venus
4befrieden
wünschen
MondvorstellenMondStrategienPlutoNorden
Tier
Sonne
5unternehmenMerkururteilenMerkurNormSaturnMitte
Mensch
Mars
6kommunizierenNeptunbesprechenNeptunwertenMarsSO
Ahnen
Jupiter
7kämpfenMarsfragenMarsIndividuationMerkurSW
Geister
Saturn
8verantwortenSaturnerklärenSaturnMantikUranusNW
Engel
Uranus
9entwerfenPlutoplanenPlutoVisionNeptunNO
Musen
Neptun
10SchönheitSonneWahrheitSonneGüteSonneGerechtigkeitPluto

Die Qualia gliedern sich in vier Gebiete, gemäß der Funktionen:

das Empfinden der Sinne, die Welt der Erde,
das Denken der Luft, die Struktur des Bewußtseins,
das Fühlen des Wassers und der Triebe,
Zugang zur Energie und der Motive,
das Wollen im Einklang mit der Transzendenz.

Wir wollen nun die einzelnen Qualia genau begrenzen und bestimmen, um sie in eine Klaviatur verwandeln zu können.

Im Meisterspiel dienen die Inbegriffe zum Erkunden der Motivation und Intention des Teilnehmers. Das Meisterspiel ist ein Kartenspiel. Wir werden aber in der Tafel die Kartensymbole nicht berücksichtigen. Wir betrachten die Begriffe als Qualia der Kreativität, abgestimmt auf die 10 als Sphäre des Göttlichen und als Zugang zum Schöpferischen.

Die entscheidende Zahl ist die Zehn, daher ist die untere Reihe der Tafel der Ausgangspunkt und Bestimmungspunkt der Qualia.

Der letzte Begriff im Symbol der Sonne und des Pluto ist die Gerechtigkeit, aber nicht im europäischen, sondern im chinesischen Sinn, nämlich die Bemühung, auf dass jedes Wesen seinen richtigen Platz und seine Rolle im Kosmos finden möge. — Hierauf beziehen sich im I Ging die beiden Urteile fördernd und beharrlich, die niemals aufhörende Bemühung um das Erreichen der göttlichen Sphäre des Lichts, deren Signatur auf Erden die Sonne als Lichtspender, Zeitträger und Lebensträger ist.

Schönheit der ersten Sparte bedeutet Vollendung; — nur die vollendete Empfindung führt zur Kommunion, ist liebenswert.
Wahrheit der zweiten Sparte bedeutet Übereinstimmung von Wort, Logos und Wirklichkeit. Sie geht über die bloße Gewissheit der Technik und banalen Wissenschaft hinaus.
Güte ist Ausdruck des zugrunde liegenden Gefühls der Liebe, der totalen Bejahung des Mitmenschen, ja aller Wesen.
Gerechtigkeit ist die Harmonie des menschlichen Zusammenlebens.
Gott ist das menschliche Urbild, der Zusammenhang des Seins, der Mensch im All.

Platon bezeichnet die vier Zehner als Ideale, gleichsam komparative Begriffe, weil ihr Inhalt nie abschließend erreicht werden kann; jede verwirklichte Schönheit in der Kunst ist ein Schritt zu der nächsthöheren; das gleiche gilt für Wahrheit, Güte und Gerechtigkeit. Man kommt in den Idealen nie zu einem endgültig abschließenden Begriff.

Ausgehend von dieser Zielsetzung betrachten wir nun die einzelnen Kategorien der Qualia als jeweilige Vereinigung von senkrecht und waagrecht.

Die dissipative Ordnung bedeutet, dass aus einem Gegensatz etwas Neues, eine Zukunft entsteht. Die waagrechte Reihe der Tafel mit Materie, Bewußtsein, Energie und Selbstorganisation ist raumhaft, dagegen die senkrechte Reihe mit den zehn entsprechenden Planeten ist zeithaft. Somit hat jeder der Qualia Zugang zu einem kreativen neuen Ansatz. Wir wollen sie nun im einzelnen waagrecht durchgehen: die Reihe 1 Jupiter, 2 Venus, 3 Uranus, 4 Mond, 5 Merkur, 6 Neptun, 7 Mars, 8 Saturn und 9 Pluto und die schon beschriebene Reihe der Sonne als Sphäre des Schöpferischen, der Kreativität im Sinne der Ideale.

Ursprung der Theorie von Prigogine war die Entdeckung des Urknalls — das Universum und die Erde haben einen Beginn. Vor diesem Beginn waren im Zustand der Leere, des Vakuums, alle zehn Dimensionen im Gleichgewicht. Mit dem Urknall dehnte sich der absolut leere Raum aus, und es begann die inflationäre Entwicklung, die bis heute anhält. So ist der absolute Raum Ursprung sowohl der Zeit als auch der Materie mit all ihren Quanten und Partikeln, mit seinen geodäsischen Linien, Ursache der Schwerkraft und auch der anderen drei Wechselwirkungen: Elektromagnetismus, schwache Kräfte und starke Kräfte, wie jene die den Kernen entstammen. Infolgedessen bedeutet der Zugang zur Kreativität die Wiederherstellung des ursprünglichen Vakuums — des Nichtraums — der Leere des Bewußtseins, wie es Buddha verkündete. Und das Chaos findet seine Ordnung durch die Quanten und Qualia im Sinne des Chi das Lambdoma und Gamma vereint. Dies ermöglicht uns nun die einzelnen Begriffe der Klaviatur zu bestimmen und abzuleiten. Damit wird Kreativität weit über die Kunst hinaus zugänglich, und beweist sich als die Art und Weise, wie die Sphäre des Göttlichen, der Zehn, greifbar und erfassbar wird.

Arnold Keyserling
Klaviatur der Kreativität · 2002
Monographie: Die Inbegriffe der Qualia
© 1998- Schule des Rades
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