Schule des Rades

Arnold Keyserling

Vernünftige Hermetik

4. Teleologie

Von den vier Gründen des Aristoteles — Wirkursache, Stoffursache, Formursache und Zielursache — wurde die letzte von der deutschen Philosophie mit Ausnahme von Schopenhauer aufgegeben. Doch die Beschränkung auf die Wirkursache, der Reduktionismus, der sich inzwischen ad absurdum geführt hat, weil er den Sinn weder entdecken noch klären kann, muss wieder der Zweckursache, dem Telos untergeordnet werden. Denken wir wieder an die ursprüngliche Zweiheit: die Offenbarung der Null und der Fülle ist der Spannungsbogen, innerhalb dessen sich alles über die Elemente auf Ziele hin entfaltet. Diese Offenbarung ist in keiner schriftlichen Tradition zu finden, sondern in den vorschriftlichen initiatischen Überlieferungen.

Das Pleroma der Zahlen als Urbilder der Vollendung zeigt in der Zehn, der Neun, der Zwölf, der Acht und der Sieben das Tor und den Weg zur Vollendung, sowohl jüdisch-kabbalistisch als auch im Sacred Count der indianischen Kosmologie. Sobald die Zahlen wieder zur Ursprache werden — logos kommt ursprünglich von legein, zählen, nicht von sprechen — erreichen wir den ganzheitlichen Raster der Weltkultur und damit die Klärung einer Offenbarung, die alle drei Welten — Mikrokosmos, Makrokosmos und Mesokosmos — fraktal im deterministischen Chaos umschließt. Entscheidend für diese Klärung war Die Mühle des Hamlet von Giorgio de Santillana und Hertha von Dechend (Berlin 1993), die die Astronomie und Numerologie als gemeinsamen Raster aller vorschriftlichen Traditionen geklärt haben.

Arnold Keyserling
Vernünftige Hermetik · 1999
Studienkreis KRITERION
© 1998- Schule des Rades
HOMEDas RAD