Schule des Rades

Richard Wilhelm

I Ging · Das Buch der Wandlungen

Zweites Buch: Das Material —

b) Das Münzorakel

Außer der Methode des Schafgarbenorakels ist auch eine abgekürzte Methode mit Münzen im Brauch, zu der in der Regel alte chinesische Bronzemünzen, die in der Mitte ein Loch haben und auf der einen Seite Schrift zeigen, verwandt werden. Man nimmt dabei drei Münzen, die gleichzeitig geworfen werden. Ein Wurf gibt eine Linie. Schrift gilt als Yin und zählt 2, die andere Seite gilt als Yang und zählt 3. Hieraus ergibt sich dann der Charakter der betreffenden Linie. Sind alle drei Münzen Yang, so ist es eine Neun, sind alle drei Münzen Yin, so ist es eine Sechs. Zwei Yin und ein Yang ergeben eine Sieben, zwei Yang und ein Yin ergeben eine Acht. Beim Aufsuchen der Zeichen im Buch der Wandlungen verfährt man wie beim Schafgarbenorakel.

Es gibt noch eine andre Art des Münzorakels, wobei außer den Zeichen des I Ging auch noch die fünf Wandelzustände, die zyklischen Zeichen usw. verwandt werden und die von chinesischen Wahrsagern angewandt wird. Diese Art benützt aber nicht den Text der Zeichen des I Ging. Es heißt, sie sei eine Fortsetzung des alten Schildkrötenorakels, das im Altertum neben dem Schafgarbenorakel gefragt wurde, das aber durch den I Ging, den Kungtse rationaler gestaltet hatte, allmählich verdrängt worden ist.